Naturschutz bei Straßenbau
NABU-Karben für Tunnellösung in Okarben (Weiterführung der B3)
Schreiben des NABU-Karben an die Fraktionen im Stadtparlament:

Karben, den 19. Mai 2009
An die Fraktionen des
Stadtparlaments der Stadt Karben
Rathausplatz 1
61184 Karben
Weiterbau der B 3
56. öffentliche Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Infrastruktur am 14.5.09
Sehr geehrte Damen und Herren,
bei der obigen Sitzung haben die Vertreter des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) Gelnhausen noch einmal deutlich gemacht, dass die Tunnellösung die mit Abstand umweltverträglichste Variante ist. Im Hinblick auf die etwa halb so hohen Kosten der nächst besten Variante mit einer engen Umfahrung von Okarben, hat sich das ASV für letztere Variante ausgesprochen. Die Stadtverordneten sind nun aufgerufen, zu dieser Entscheidung Stellung zu nehmen.
Wir möchten Sie eindringlich bitten, sich trotz der höheren Kosten für die Tunnellösung und damit für die umweltverträglichste Lösung einzusetzen und das ASV entsprechend zu unterrichten. Wir haben im Folgenden noch einmal die wichtigsten Argumente zusammengestellt.
1. Nach der mit großem Aufwand erstellten Widerstandkarte sind die Widerstände auf der Variante mit der Tunnellösung mit Abstand am geringsten, d.h. die Umweltbelastungen werden durch die Baumaßnahmen hier am geringsten gehalten, und damit auch die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen.
2. Der Landverbrauch bei der engen Umfahrung von Okarben liegt bei etwa 15 ha. Wenn man bedenkt, dass für die Gewerbeansiedlung in Karben 25 ha, für Wohngebiete 50 ha und für die Nordumgehung 20 ha, also zusammen für diese drei Positionen fast 100 ha in Zukunft überbaut werden sollen, dann ist dieser hohe Landverbrauch nicht akzeptabel. Hinzu kommt, dass es sich bei den Ackerflächen oberhalb Okarben um solche der obersten Qualitätsstufe handelt, die mit einem dreifachen Widerstandswert belegt sind. Außerdem sollte man endlich ein Konzept entwickeln, wie in Karben dauerhaft und nachhaltig der Landverbrauch minimiert werden kann.
3. Die verbleibenden Ackerflächen werden bei der engen Umfahrung von Okarben zerschnitten, und deren Bearbeitung durch die Landwirte trotz der für den Rodheimer Weg geplanten Brücke wesentlich erschwert wird.
4. Okarben würde bei einer engen Westumfahrung von Okarben eine zweite Lärmschneise erhalten, denn die sehr laute Eisenbahnstrecke bleibt dort wo sie ist. Außerdem wird die sogenannte innerörtliche Straße, die in jedem Fall auf oder neben der bisherigen B3-Trasse verlaufen wird, den Verkehr der Nordumgehung sowie den Verkehr aus den Okarbener Wohn- und aus den geplanten Gewerbegebieten mit einem erheblichen Verkehrsvolumen aufnehmen müssen.
5. Mit der Tunnellösung würde der gesamte Verkehr (Straße und Eisenbahn) gebündelt. Der Lärm der später viergleisigen Bahnstrecke, der Lärm der innerörtlichen Straße und der Lärm der neuen B 3 außerhalb des Tunnels ließe sich durch gemeinsame Lärmschutzmaßnamen eindämmen. Der Straßberg bliebe so weitgehend verschont. Die Lärmbelastung der B3-Anlieger würde durch den Tunnel deutlich reduziert.
6. Der Tunnel ist zwar teuer, wenn es aber um die Entscheidung für oder gegen die beste und umweltverträglichste Lösung geht, dürfen nicht allein die Kosten den Ausschlag geben. Denn es ist zu bedenken, dass der Verkehr über diesen Teil der B3 zu einem sehr hohen Anteil nicht durch die Bewohner der Stadt Karben sondern durch überregionalen Verkehr verursacht wird, da sich die Bevölkerung und die Wirtschaft von Karben hauptsächlich in Richtung Frankfurt orientiert. Es handelt sich also im Wesentlichen um aus dem Norden kommenden und auch dort hin fließenden Fern- und überregionalen Verkehr, der die Karbener Bevölkerung seit vielen Jahren sehr belastet und immer noch zunimmt. Es muss deshalb mit der Tunnellösung ein Weg eingeschlagen werden, der diese Belastung auch in Zukunft begrenzt. Es sollte von Ihnen keine Billiglösung akzeptiert werden, die für Generationen von Anwohnern diese Belastungen festschreibt oder sogar noch steigert. Für diese Belastungen trügen Sie dann die Verantwortung.
7. Das ASV ist bei seinen Überlegungen von einer Tunnellänge von knapp 400m ausgegangen. Diese Länge erscheint uns nicht ausreichend, denn der überirdische Verkehr würde zu nahe an die heutige Wohnbebauung gehen.
Schließlich möchten wir noch bemerken, dass die mehr oder minder direkten Anwohner an der B 3 verständliche Bedenken im Zusammenhang mit dem Tunnelbau im Hinblick auf Setzrisse an den Wohnhäusern und durch Schäden wegen Veränderung des Grundwasserspiegels haben. Aber auch die Frage, ob die Gefahr von Rissbildungen durch von Baumaßnahmen ausgelöste Erschütterungen besteht, ist nicht beantwortet. Weiterer Klärungsbedarf besteht offensichtlich auch, wie die Abgase eines Tunnels behandelt werden und wo und wie sie nach draußen geleitet werden. Auch Fragen nach der Bauzeit und die Verkehrsführung während der Bauzeit stehen im Raum. Diese Fragen sollten von sachkundigen Experten beantwortet werden, damit insoweit bei den Anwohnern Unsicherheiten vermieden werden.
Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie sich unseren Forderungen anschließen könnten.
Mit freundlichen Grüßen
Becker Hansen
___________________________________________________
B3-Ausbau: NABU beharrt auf Tunnellösung
(Bericht der "Frankfurter Neue Presse" am 10.12.2008)
_______________________________________________________Karben.
Westlich um das Berufsbildungswerk und in einem großen Bogen um Okarben
herum – diese Variante schlägt die Karbener Koalition aus CDU, FWG und
FDP für eine Resolution des Stadtparlaments zur Nordumgehung Karben
vor. Doch beim Naturschutzbund Karben (Nabu) stößt diese Lösung auf
Ablehnung: «Die Koalition möchte das Rad zurückdrehen», sagen Hans
Hansen und Jürgen Becker. «Bei dieser Variante handelt es sich um einen
älteren Vorschlag, der aber so viele Nachteile hat, insbesondere im
Hinblick auf die Natur- und Landschaftszerstörung, dass sie vom Amt für
Straßenverkehr und Verkehrswesen (ASV) nicht in die Reihe der
Vorzugsvarianten aufgenommen wurde.»
Dabei schien es noch vor einigen Monaten so, als ob sich alle im Karbener Stadtparlament vertretenen Parteien für eine Tunnellösung beim Neubau der B 3 einsetzen wollten.
Der Resolutionsentwurf verwerfe nun diesen Lösungsansatz und schlage stattdessen eine Trasse vor, die mitten durch die Landschaft verläuft. Für diese Variante sei eine 400 Meter lange Brücke über das Heitzhöferbachtal hinweg notwendig. «Das ASV hat zur Vorbereitung der Diskussion über die Trassenvarianten eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt», erinnert der Nabu. «Danach gehört diese von der Koalition bevorzugte Variante zu den die Landschaft am meisten belastenden Lösungsmöglichkeiten.» Deshalb hätten sich die Karbener Naturschutzverbände mit allem Nachdruck gegen diese Varianten ausgesprochen. «Stattdessen haben sich die Naturschutzverbände für die Tunnellösung eingesetzt, die mit Abstand die umweltverträglichste Trasse wäre.» Das Heitzhöferbachtal ist in der Umweltverträglichkeitsprüfung am höchsten eingestuft. «Deshalb muss dieses Tal unbedingt in seiner jetzigen Form als hervorragendes Biotop mit seltenen Vogelarten erhalten bleiben.» fnp
Dabei schien es noch vor einigen Monaten so, als ob sich alle im Karbener Stadtparlament vertretenen Parteien für eine Tunnellösung beim Neubau der B 3 einsetzen wollten.
Der Resolutionsentwurf verwerfe nun diesen Lösungsansatz und schlage stattdessen eine Trasse vor, die mitten durch die Landschaft verläuft. Für diese Variante sei eine 400 Meter lange Brücke über das Heitzhöferbachtal hinweg notwendig. «Das ASV hat zur Vorbereitung der Diskussion über die Trassenvarianten eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt», erinnert der Nabu. «Danach gehört diese von der Koalition bevorzugte Variante zu den die Landschaft am meisten belastenden Lösungsmöglichkeiten.» Deshalb hätten sich die Karbener Naturschutzverbände mit allem Nachdruck gegen diese Varianten ausgesprochen. «Stattdessen haben sich die Naturschutzverbände für die Tunnellösung eingesetzt, die mit Abstand die umweltverträglichste Trasse wäre.» Das Heitzhöferbachtal ist in der Umweltverträglichkeitsprüfung am höchsten eingestuft. «Deshalb muss dieses Tal unbedingt in seiner jetzigen Form als hervorragendes Biotop mit seltenen Vogelarten erhalten bleiben.» fnp
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