Plakette für fledermausfreundliches Haus

Im Sommer 2018 erreichte den NABU ein Anruf aus Groß Karben: "Bei uns wohnen Fledermäuse!"  Familie Wagner entdeckte Anfang Juni Kotkrümel auf ihrer Terrasse und dachte zunächst an Mäuse. Doch der Irrtum klärte sich schon am nächsten Tag auf, als der Hausherr beim frühmorgendlichen Rundgang durch den Garten bemerkte, dass Fledermäuse immerzu unter die Ortgangverkleidung des Daches flogen.

Familie Wagner mit der Auszeichnung für ihr fledermausfreundliches Haus (Foto: C. Habusta)
Familie Wagner und die Plakette für ihr fledermausfreundliches Haus (Foto: C. Habusta)

Hier musste eine sogenannte Wochenstube sein: die Weibchen finden sich nach dem Winterschlaf im Frühjahr zu Fortpflanzungsgemeinschaften zusammen. Die Aufzucht dauert dann 4 - 6 Wochen und in dieser Zeit müssen Unmengen an Insekten für die Jungen herbeigeschafft werden.
Die beiden Kinder, Lilly und Ben, waren ganz begeistert: 33 Tiere konnten sie abends beim Ausfliegen und bei der Jagd nach Insekten beobachten. Um den Fledermäusen noch mehr Übernachtungsmöglichkeiten zu bieten, werden die Wagners noch zwei Spaltenkästen aufhängen. Natürlich werden diese zunächst mit einer Fledermaus bemalt! Die Hinterlassenschaften der Fledermäuse auf der Terrasse konnte Frau Wagner einfach zusammenkehren und sogar als Dünger für das Gemüse im Hochbeet verwenden.
Jetzt haben die Weibchen mit ihren Jungen die Wochenstube verlassen und das abendliche Schauspiel hat - sehr zum Bedauern von Familie Wagner - ein Ende. Aber im nächsten Jahr wird es sicher ein Wiedersehen mit den interessanten Tieren geben.
Fledermäuse leiden  unter der Vernichtung natürlicher Lebensräume durch den Menschen. Viele ihrer traditionellen Quartiere wurden zerstört und Nahrungsquellen reduziert. Deshalb belohnt der NABU das Engagement für die unter strengem Schutz stehenden Tiere mit der Plakette für das fledermausfreundliche Haus. Sie wird bald direkt neben dem Hauseingang von Familie Wagner in Groß Karben hängen.

Das Einflugloch der Fledermäuse (Foto: C. Habusta)
Direkt am Dachfirst nutzten Fledermäuse einen kleinen Spalt, um im Dach ihre Jungen aufzuziehen. (Foto: C. Habusta)

Bausätze für Spaltenquartiere sind beim NABU Karben für nur 9 EUR erhältlich und können mit ein wenig Geschick leicht zusammengeschraubt werden. Sie können dann an geschützten Stellen an Hausfassaden, Schuppen oder auch an Bäumen angebracht werden. Diese Kästen oder aber auch kostenlose Bauanleitungen für verschiedene Unterschlupfe können unter 0177 5996313 angefordert werden. Dabei müssen Hausbesitzer keine Sorgen wegen eventueller Verunreinigungen haben. Fledermauskot ist trocken und lässt sich leicht zusammenkehren. Er kann dann sogar noch als Blumendünger dienen.

Gartenbesitzer können außerdem mit kleinen Maßnahmen ein zusätzliches Nahrungsangebot für die beliebten Tiere schaffen. Ein möglichst vielgestaltiger Garten mit artenreicher Wiese statt Einheitsrasen und heimischen Sträuchern und Stauden ist optimal. Wo nachtblühende, nektarreiche Blütenpflanzen stehen, werden durch den Duft Nachtfalter, die Lieblingsspeise vieler Fledermäuse, angelockt.