Libellen in Karben

Der Sommer 2018: ein Problem für Libellen?

NABU-Mitglied Gerhard Bauer beobachtet kontinuierlich die Libellenpopulation in und um Karben. Ein trockener und lang anhaltener Sommer kann für die Insekten zu Problem werden. Fluginsekten lieben zwar die Sonne und windstille Tage, doch das Austrocknen der Tümpel und die Erwärmung des Wassers, sowie ein verminderter Sauerstoffgehalt im Wasser und die Verdichtung der Fressfeinde auf kleinen Wasserflächen, ist ein Problem für die im Wasser lebenden Larven. Zudem verschwinden die Bereiche in denen die aktuelle Flugpopulation ihre Eier ablegen kann. Das Resümee des Libellenexperten G. Bauer: der Zustand Karbener Libellenfauna 2018 in Karben ist zufriedenstellend.

Das warme Frühjahr hat 2018 dazu geführt, dass schon am 08. April die ersten Winterlibellen (Sympecma fusa) bei der Eiablage beobachtet werden konnten. Auch die anderen Arten waren früher als im Vorjahr als Imagines anzutreffen.
Die dann aber lange anhaltende Trockenheit im Sommer hat dazu geführt, dass Flutmulden fast gänzlich ausgetrocknet sind. Dort sind die Populationen extrem zurückgegangen. Die Sommerarten waren bis auf wenige Einzeltiere verschwunden!

An den renaturierten Stellen der Nidda fühlen sich Libellen wohl (Foto: G. Bauer)
Die renaturierte Nidda: ein Wohlfühlareal für Libellen (Foto: G. Bauer)
Der Wasserstand der Flutmulde an der Ludwigsquelle ist im Sommer 2018 sehr niedrig (Foto: G. Bauer)
Flutmulden und Teiche trockneten im Sommer 2018 wie hier im Bereich der Ludwigsquelle aus (Foto: G. Bauer)

Die Grabensysteme in und um Karben, die zumeist von Quellen gespeist werden, waren davon zum Glück nicht so stark betroffen. Die dort vorkommenden Arten haben sich auch über die Sommermonate 2018 gut entwickelt.
Besonders erfreulich dieses Jahr war die Situation an den renaturierten Bereichen der Nidda und ihrer Altarme.
Hier sind wieder Arten anzutreffen, die wir vor Generationen verloren haben!

In Karben heimisch: Grüne Flussjungfer (Foto: G. Bauer)
Die Grüne Flussjungfer fühlt sich an der Nidda wohl (Foto: G. Bauer)
Grüne Flussjungfer ist in Hessen selten (Foto: G. Bauer)
In Hessen stark gefährdet: Grüne Flussjungfer (Foto: G. Bauer)

Die Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) galt seit 1922 in Hessen als ausgestorben. 1999 wurde sie in Hessen wiederentdeckt und scheint sich langsam von Südhessen kommend auszubreiten. 2018 konnten mehrere Individuen der Grünen Flussjungfer in Karben an der Nidda nachgewiesen werden! G. Bauer hofft, dass sich diese streng geschützte FFH Art (Rote Liste Hessen 0) etabliert. Die Grüne Flussjungfer ist in Hessen die seltenste Gomphide.

Kleine Zangenlibelle wurde in Karben nachgewiesen (Foto: G. Bauer)
Ebenfalls wieder da: Kleine Zangenlibelle (Foto: G. Bauer)
Die kleine Zangenlibelle trägt eine Zange am Hinterleib  (Foto: G. Bauer)
Kleine Zangenlibelle mit der Zange am Hinterleib (Foto: G. Bauer)

Die Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus) (Rote Liste Hessen 2) ist an der Nidda auch wieder anzutreffen. Mehrere Individuen an unterschiedlichen Stellen konnten nachgewiesen werden. Beide Arten profitieren von den renaturierten Bereichen an der Nidda. Einen Nachweis der Reproduktion gibt es noch nicht. G. Bauer hofft, in den nächsten Jahren genaueres herauszufinden.
Keine Libelle, aber auch eine Sensation:

Während der Niddarenaturierung wurde die Europäische Sumpfschildkröte  wieder angesiedelt (Foto: G. Bauer)
Die Europäische Sumpfschildkröte wurde im Rahmen der Niddarenaturierung wieder angesiedelt und entwickelt sich prächtig (Foto: G. Bauer)

Vor etwa 20 Jahren wurden einige Jungtiere im Bereich der Nidda ausgewildert. Diesen Sommer konnte die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) in Karbener Gräben nachweisen werden. Eine wirklich seltene Begegnung und ein wichtiger Nachweis!


Libellen im Rapps Naturgarten

Die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) ist neben der Sibirischen Winterlibelle (Sympecma paedisca) die einzige Libellenart die als flugfähiges Insekt überwintert. Zur Zeit kann man sie mit etwas Glück bei der Eiablage beobachten. Sie werden aber nur noch wenige Tage zu sehen sein. Dann sind sie bis in den Spätsommer verschwunden. Nach dem Schlupf (Juli, August) verschwinden sie dann wieder vom Teich ins Buschland oder in in umliegende Wälder. Erst im zeitigen Frühjahr kommen sie wieder ans Gewässer zurück. Zur Zeit kann man sie im Rapp's Naturgarten beobachten. (Fotos: Gerhard Bauer)


Libellen im Naturschutzgebiet Ludwigsquelle

Libellen kommen auf allen Kontinenten vor, außer der Antarktis. Weltweit sind heute etwa 5.900 Arten bekannt. In Mitteleuropa, also auch bei uns in Deutschland, sind etwa 85 Arten nachgewiesen. In Karben gibt es verschiedene Arten von Kleinlibellen (Zygoptera) und Großlibellen (Anisoptera). Je nach Jahreszeit kann man sie fliegen sehen. Im Naturschutzgebiet an der  Ludwigsquelle sind Libellen häufig zu beobachten.

 

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Fotos von Libellenfotograf Gerhard Bauer
Foto Gerhard Bauer: Libelle beobachtet Fotograf

Von März bis November 2015 stand das Gebiet sehr kontinuierlich unter Beobachtung durch NABU-Mitglied und Libellenexperte Gerhard Bauer. Unzählige Stunden, bei allen erdenklichen Wetterlagen, hat G. Bauer vor Ort seine Beobachtungen mit der Kamera festgehalten. Diese Bestandsaufnahme erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, das Ergebnis hat jedoch den Zeitaufwand und alle Mühen gerechtfertigt.

Helm Azurjungfer ist in Hessen kaum zu finden
Foto Gerhard Bauer: Rarität in Hessen - Helm Azurjungfer

Von den ca. 80 in Deutschland vorkommenden Libellenarten konnten 17 Arten am NSG-Ludwigsquelle und seiner Umgebung nachgewiesen werden.

Besonders bemerkenswert ist, dass dazu eine stabile Population der Helm Azurjungfer (Coenagrion mercuriale) zählt. Diese Art steht seit Jahren auf der Roten Liste der stark gefährdeten Arten. Nur noch wenige Gemeinden in Hessen können diese Art auf ihrem Gebiet nachweisen. Bei uns fühlt sie sich wohl. Zur Zeit stehen die Aussichten gut, dass es auch so bleibt!

Helm Azurjungfer bei der Paarung in Karben
Foto Gerhard Bauer: Helm Azurjungfer sorgen für Nachwuchs in Karbener Naturschutzgebiet

Die Helm Azurjungfer (Coenagrion mercuriale) ist eine unscheinbare blaue Kleinlibelle. Sie gehört zur Familie der Schlanklibellen (Coenagrionidae). Sie stellt aber ganz spezielle Ansprüche an ihr Biotop. In der Wetterau ist sie fast ausgestorben. Nur noch sehr wenig nachgewiesene Stellen sind bekannt. In Karben haben wir das Glück, genau diese Bedingungen in unserer Gemarkung zu haben: ein langsam fließendes, schmales Quellgewässer mit sehr sauberem Wasser, ganzjährig fließend, offen und sonnen-beschienen. Zur Eiablage muss die Berle (Sium erectum) im Gewässer wachsen. Seit Jahren ist eine stabile Population nachgewiesen. Über mehr Nachweisstellen würden wir uns freuen. Sie ist mittlerweile in Deutschland vom Aussterben bedroht. Vorkommen gibt es noch im Oberrheingebiet und im Alpenvorland.

Libellen in Karbener Naturschutzgebiet
Foto Gerhard Bauer: Großer Blaupfeil

Alle vorkommenden Libellenarten waren je nach Jahreszeit in ausreichender Populationsdichte vorhanden. Der sehr heiße und trockene Sommer 2015 hat die Aktivitäten mancher Arten eingeschränkt. Es besteht aber kein Anlass zur Sorge. Auch 2016 werden sie wieder aus dem Wasser emporsteigen und uns mit ihren Flugkünsten und Farben begeistern.
Die größten Libellen heutzutage sind tropische Arten mit einer Spannweite von 19 cm und einer Länge von 16 cm. Die kleinsten Arten haben eine Spannweite von ca. 2 cm und eine Länge von ca. 2,5 cm.
Übrigens: Libellen haben keinen Stachel und können uns deshalb auch nicht stechen. Vor ihren Kiefern müssen sich nur Insekten fürchten, die ins Beuteschema passen! Schützen sie unsere Flüsse und Gewässer wenn sie auch weiterhin Libellen beobachten möchten! Die meiste Zeit leben sie als Larve im Wasser. Nur eine sehr kurze Zeit ihres Lebens zeigen sie sich uns als Fluginsekt.

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