Steinkäuze in Karben

Der Abend war milde und klar und doch geheimnisvoll: zwischen Friedhof und Rosenhang in Klein Karben rief der Steinkauz in der aufkommenden Dämmerung. Die Rufe waren erst kaum zu hören, dann aber wurden sie immer deutlicher. Als dann Helmut Anhäuser auf seiner Lockflöte blies und den Ruf nachahmte, rief es erst hier, dann dort und schließlich noch von einer dritten Seite her. So unheimlich es war, strahlte Anhäuser immer mehr: die Rufe von drei Steinkäuzen waren gleichzeitig zu hören. Sie hatten also in Klein Karben den harten Winter überlebt und waren nun richtig in Balzstimmung. „Wer hätte das gedacht, dass diese kleinen Eulen die strenge Kälte und den Hunger des vergangenen Winters überstanden haben. Die Mäuse blieben in ihren Nestern, so dass die Hauptnahrungsgrundlage nicht erreichbar war. Und der Steinkauz selber kann Kälteeinbrüchen nur in begrenztem Umfang ausweichen“, so Anhäuser. Deshalb sei es ein Wunder, dass die Steinkäuze wieder in ihren Revieren seien und mächtig riefen. Offensichtlich bieten die Streuobstwiesen um den Rosenhang herum trotz allem gute Überlebenschancen, zumal in der Nähe der Pferdekoppeln und Unterstände vielleicht doch die eine oder andere Maus sich hinaus getraut hat, und dem Steinkauz das Überleben ermöglichte.

 

Anhäuser berichtete Interessantes über die Lebensweise, ihre Gewölle und den leisen Flug der Steinkäuze, die bei uns lange Zeit als Totenvögel gefürchtet waren, während sie in den südeuropäischen Ländern als Glücksvögel verehrt wurden.

 

Während die Käuze immer wieder riefen, konnten die Exkursionsteilnehmer einen Blick zum Himmel werfen: Die Venus leuchtete als heller Abendstern am klaren Himmel, der große Wagen wurde immer deutlicher sichtbar und die Kassiopeia war wunderbar zu erkennen. Als schließlich alle nach Hause aufbrachen, zogen Kraniche in großer Höhe in Richtung Norden vorüber. Der Frühling ist also wieder da. Es war ein wirklich schönes Erlebnis, so dicht vor der eigenen Haustür. Man muss sich nur mit offenen Sinnen auf den Weg machen und die tägliche Routine einmal durchbrechen.