Störche in und um Karben

Im April hat es in Karben mehrere Stromausfälle gegeben. In Naturschutzgebieten wurde zwei Störche tot aufgefunden, die vermutlich durch Stromschläge getötet wurden. Neben den Masten, die speziell zur Storchenbrut aufgestellt wurden, brüten die Vögel zunehmend auf Strommasten. Die dort errichteten Nester verursachen durch herabhängende Äste Kurzschlüsse, die zu einem Stromausfall führen können. Aus diesem Grund trafen sich Vertreter der Stromnetzbetreiber, der Naturschutzbehörden und Umweltverbänden.

 

Störche nisten auf Strommasten (Foto: Habusta)
Wohnungsnot beim Storch: Nestbau auf Strommasten (Foto: Habusta)
Herunterhängende Äste sind problematisch (Foto: Prinzinger)
Herabhängende Äste können zum Problem werden (Foto: Prinzinger)

Stromüberschalg am Nest des Storches (Foto: Hausladen)
Kurzschluss am Storchenhorst (Foto: Hausladen)

Wie dramatisch ein Stromüberschlag an einem Storchennest aussieht, fotografierte Max Hausladen durch Zufall.
Zu hören ist ein Knall, verbunden mit einem Blitz. Fussgänger und Radfahrer erschrecken. Querträger von Masten sind bei Störchen begehrte Nistplätze.

 

In der Nähe einer Stromleitung wurde ein toter Storch gefunden (Foto: Prinzinger)
Trauriger Fund: ein toter Storch in der Nähe einer Stromleitung (Foto: Prinzinger)

Das Resultat: ein Storch-Kadaver auf Karbener Gemarkung.
Störche sind im Flug wenig wendig und können deshalb beim Nestanflug leicht an stromführende Teile geraten. Beim hier abgebildeteten Todesfall kam ein zusätzlicher Aspekt zum Tragen: Im Magen des Storches fand man bei der Sektion einen 5 cm nadelspitzen Dorn, der die Magenwand durchbohrt hatte und die Nahrungsaufnahme behinderte, so dass der Vogel vermutlich geschwächt war.

Betroffen sind im Raum Karben vor allem zwei Stromleitungen, eine in Richtung Ilbenstadt, die andere in Richtung Gronau. Um solche Ereignisse künftig zu vermeiden, wurde nach Lösungen des Problems gesucht. Nun sollen herunterhängende Äste, bei denen ein Stromschlag drohen kann oder wahrscheinlich ist, abgeschnitten werden. Das ist ein aufwändiges Verfahren, aber es schont die Brut und schützt die Störche. Weitere Stromausfälle werden so verhindert.

 Wie eine „Rasur“ eines Storchennests aussieht, hielt Roland Prinzinger im Bild fest:

Luftiger Arbeitsplatz: Mitarbeiter des Stromleitungsbetreibers beim Astschnitt (Foto: Prinzinger)
Astschnitt der besonderen Art: Mitarbeiter des Stromleitungsbetreibers beschneiden einen Storchenhorst (Foto: Prinzinger)

Während der ganzen Prozedur muss der Strom abgeschaltet und Vorsichtsmaßnahmen durch Erdung getroffen werden. Die Arbeit für das Personal ist anstrengend und zeitaufwändig. Während des Einsatzes kreisten die Altstörche über dem Gebiet und beobachteten die ganze Angelegenheit. Sie kehrten danach aber sofort wieder zurück auf die Nester.

 

Im Wetteraukreis sind insgesamt 120 Brutpaare erfasst. Die Region um Karben ist ein Schwerpunkt von auf Strommasten brütenden Störchen. Nach der Brutsaison sollen alle Nester auf Strommasten entfernt werden. Zusätzliche künstliche Horste werden nicht errichtet, denn weitere Bruterfolge der Vögel führen zu erhöhtem Populationsdruck, welcher die Problematik weiter verschärfen kann. Die Population in unserer Region ist ausreichend groß. In den Folgejahren sollen Nestbauversuche unterbunden werden. Da künstliche, bauliche Abwehrmaßnahmen erfolglos sind, die Vögel sogar auf diesen brüten, bleibt den Netzbetreiber nur diese Möglichkeit.


Das Storchenpaar in den Wiesen am Ludwigsbrunnen (Foto: Roland Prinzinger)
Das Storchenpaar in den Wiesen am Ludwigsbrunnen (Foto: Roland Prinzinger)

Außergewöhnlich früh!

Milde Tage mit 10 Grad plus sind angebrochen. Einzelne Amseln singen schon ihr Frühlingslied richtig kräftig! Aber ein noch deutlicheres Zeichen für den nahenden Frühling ist die Rückkehr der Störche. Roland Prinzinger hat im Naturschutzgebiet Ludwigsquelle im Januar ein Storchenpaar beobachtet, das auch schon auf dem Nest gestanden hat.

Es ist ungewöhnlich früh, dass Störche schon im Januar zurückkehren. In der Vergangenheit war die Rückkehr der Störche 3 bis 4 Wochen später. Durch das milde Wetter und die große Feuchtigkeit gibt es für die Störche schon früher im Jahr genug zu fressen. Wenn noch richtiger Frost kommen sollte, der länger anhält, dann haben die stattlichen Vögel allerdings ein Nahrungsproblem.


Foto von Gerhard Bauer: Hier sind die ersten Störche am NSG Ludwigsquelle, die schon am 8. Februar 17 eintrafen.
Die ersten Störche am NSG Ludwigsquelle (Foto: Gerhard Bauer)

Vier Storchenpaare nisten in Karben auf Nisthilfen
Vier Strochenhorste gibt es in Karben, einer steht im Naturschutzgebiet Ludwigsquelle in Groß-Karben  (zur Bildergalerie). Ein weiterer steht in Rendel. Dieser Horst ist das älteste Storchennest in Karben und drohte in der Vergangenheit umzukippen. Die Bewohner hatten das Nest so hochgebaut, dass es zu einer großen Last geworden war und aufwändig "verkleinert" werden musste. Als drittes Nest wurde auch ein Horst am Scharmühlgraben besetzt. Schließlich gibt es das Storchennest an der Kläranlage von Niederdorfelden mit dem vierten Paar in der Karbener Gemarkung. Karbener Bürger freuen sich jedes Jahr über diese Frühlingsboten.


Storch im Anflug auf den Horst am Ludwigsbrunnen (Foto: Christine Stark)