Steinkäuzen Flötentöne beigebracht

 

Der Karbener NABU hatte zum „Verhören“ des Steinkauzes mit Helmut Anhäuser eingeladen – und viele interessierte Naturfreunde hatten ihre Freude.

Uhu-Modell präsentiert von Helmut Anhäuser
Helmut Anhäuser und sein Uhu

 Kaum hatte Referent Helmut Anhäuser auf dem abendlichen Rosenhang in Klein-Karben den präparierten Uhu neben seinem Jeep ausgestellt, schallte von Westen her ein spitzer Klagelaut durch die hereinbrechende Nacht. „Ja“, bestätigte Anhäuser, „ein Steinkauz, da ist schon einer“. Die Rufe hinderten ihn allerdings nicht, auf seiner Lockflöte ebenfalls Steinkauz-Signale zu imitieren. „Huii“ antworteten reale Eulen prompt – vermutlich um klar zu stellen, dass dieses Revier schon besetzt ist.

 

Steinkäuze beherrschten allerdings noch andere Laute, berichtetet der Vogelexperte, „dieses Kuwitt“ beispielsweise. In alten Zeiten sei dieser Ruf leider als „Komm mit“ missverstanden und Steinkäuze als Todesboten für Kranke angesehen worden. Bis heute habe sich dieser Ruf gehalten, und manchmal würden diese Eulen sogar zur Abschreckung sogar an Scheunentore genagelt.

 

Wieviel freundlicher gestaltet sich da das Eulen-Image doch in Griechenland. Steinkäuze, berichtete Anhäuser, würden dort als Glückssymbole verehrt und seit jeher auf Münzen geprägt. „Die Redeweise 'Eulen nach Athen tragen' rührt aus diesem Zusammenhang“, klärte Anhäuser auf. Athen war im Altertum wohlhabend und verfügte über reichlich Münzen mit eingeprägten Steinkäuzen. Das mit dem Reichtum mag sich inzwischen gewandelt haben, aber Eulen-Münzen gibt es in Griechenland bis heute. Zum Beweis zog Anhäuser eine griechische Ein-Euro-Münze aus der Tasche, auf deren Rückseite das Konterfei eines Steinkauzes geprägt ist.

Anhäuser macht den direkten Vergleich: der Uhu und der wesentlich kleinere Steinkauz
Größenvergleich: Steinkauz und Uhu

Damit keiner der Zuhörer auf die Idee kam, den riesigen präparierten Uhu mit einem Steinkauz zu verwechseln, holte Anhäuser dann auch noch einen präparierten Steinkauz aus seinem Fundus: verglichen mit dem Uhu nur ein Winzling, kaum zwanzig Zentimeter groß. Für die Wetterau sei diese Eulenart typisch, berichtete Anhäuser. Sie ernähre sich größtenteils von Insekten und Mäusen. Prompt zauberte Anhäuser noch ein paar Kleinigkeiten aus seiner Schatztruhe: Mäuseköpfe, einen Fuchszahn, winzige Knochen - alles unverdaute Nahrungsreste aus dem sogenannten Eulen - „Gewölle“. Für ihre Jagd bevorzugten Steinkäuze übrigens gemähte Wiesen, referierte Anhäuser – weil sie nicht nur fliegen könnten, sondern auch schnell laufen könnten.

 

Dafür bauten sie sich - im Gegensatz zu Greifvögeln - kein eigenes Nest, sondern bevorzugten Baumhöhlen, Felskuppen oder Scheunen. Brutröhren auf Streuobstwiesen seien natürlich hilfreich, „am besten immer gleich zwei auf einer Wiese befestigen“, empfahl Anhäuser. Während der Brut organisierten die Männchen nämlich Futter auf Vorrat und bräuchten Lagerraum.

 

Was die Aufzucht betrifft, stellte der Vogelexperte zumindest für dieses Jahr eine günstige Prognose. Der Winter sei recht milde gewesen, was gerade Steinkäuzen sehr entgegen komme. Kalte Winter dagegen könnten die gesamte Population vernichten.