Das Geheimnis der „Dicken Steine“

 

Bei der geologischen NABU-Wanderung auf den Steinberg rund um das Kloster Engelthal gab Professor Peter Prinz-Grimm Einblicke in die regionale Erdgeschichte. Dabei erlebten die rund 30 Besucher manche Überraschung.

Professor Prinz-Grimm und seine Zuhörerschaft
Professor Peter Prinz-Grimm erläutert die geologische Geschichte der Wetterau

„Geologie hat auch immer etwas mit Abenteuer zu tun“, klärte Prinz-Grimm auf und führte die Gruppe gleich hinter dem Kloster durchs Unterholz: junge Buchen, Waldmeister, verwitterte Stämme. Nach zehn Minuten taten sich rätselhafte Wasserlöcher auf. Bombentrichter? Flugs grub Prinz-Grimm mit seinem Hammer am Uferrand, die Erde war sandig. Überreste aus dem Tertiär, erläuterte Prinz-Grimm, rund 30 Millionen Jahre alt. Damals erstreckte sich eine Meeressenke von Basel bis nach Kassel, deren Ablagerungen auf dem Steinberg bis heute sichtbar sind. Und die Löcher? „Früher sind die Menschen hier mit Ochsenkarren vorgefahren und haben den Sand abgebaut“, vermutet Prinz-Grimm, „zum Anrühren des Mörtels für den Klosterbau, vielleicht auch zum Scheuern von Dielen.“ Das Kloster wurde im 13. Jahrhundert erbaut.

 

Weiter ging es den Steinberg hinauf, jede Menge Springkraut links und rechts – bis sich wie aus dem Nichts eine riesige Grube auftat, Brennesseln wucherten. Dieser Trichter sei mal ein Steinbruch gewesen, informierte der Geologe und löste mit seinem Hammer ein paar Granitbrocken aus der Wand, rund 15 Millionen Jahre alt. Das Gestein stamme aus großen Tiefen und sei als Basaltstrom angeschwemmt worden. Sehr zum Nutzen späterer Bewohner: Sie bauten den Granit für den Bau der Klostermauern ab, berichtete Prinz-Grimm, nutzen ihn als Wegebefestigung und wohl auch für manches Fundament im nahen Altenstadt. Erst gegen Ende des 1. Weltkrieges sei der Steinbruch geschlossen worden.

Prinz-Grimm erläutert wie die Natur die "Dicken Steine" bewegt
Prinz-Grimm und die "Dicken Steine"

Später dann im Osten der Hang mit den „Dicken Steinen“, wie von Riesenhand auf einer Nord-Süd-Linie eingestreut. Sandsteine, informierte Prinz-Grimm, sehr hart. Um kleine Stücke zu lösen, musste er kräftig hämmern. Der Stein stamme zwar aus dem gleichen Ausgangsmaterial wie der Granit, sei aber vermutlich über das Grundwasser „verkieselt“. Durch die Absenkung des „Rotliegenden“ seien die Steine ebenfalls abgerutscht. Sie seien nur schwer zu bearbeiten und daher nie verwendet und abgebaut worden.  Merkwürdigerweise, berichtete Prinz-Grimm, seien Blöcke des gleichen Materials auch bei der Nidda-Renaturierung nahe Gronau aufgetaucht. Sie seien wohl während der letzten Eiszeit mit den schmelzenden Gletschern dort angetrieben worden. Jetzt verzierten sie einen Brunnen beim Niddaplatz in Bad Vilbel.

 

Zum Schluss noch ein Abstecher ins Ackerland unterhalb des Klosters. Während der Eiszeit sei hier Staub und Löß aus dem Voralpen-Gebiet angeweht worden. Das Rotliegende darunter, das diese einst wüstenähnliche Landschaft geprägt hat, schimmert daher nur noch sehr schwach. „Wir werden immer schlauer“, sagte einer bei der Abschiedsrunde vor dem Kloster. Am Eingang informierte ein Plakat über eine Lesung von Michael Elsaß im Buchladen. Titel des Buches: „Tod im Basalt.“