„Es gibt bei uns mehr Störche als vor 120 Jahren“

Bei der NABU-Vogelführung im Naturschutzgebiet Ludwigsquelle wurden unter der Anleitung von Professor Roland Prinzinger rund 30 verschiedene Vogelarten gesichtet, darunter auch das sehr seltene und stark gefährdete Braunkehlchen.

Professor Prinzinger und seine Zuhörerschaft
Professor Roland Prinzinger erklärt Sinn und Zweck des Vogelgesangs.

Drei Dutzend Teilnehmer waren der Einladung gefolgt, die Vorfreude groß. „Die unterschiedlichen Stimmen der vielen Vögel hier können Sie bei so einer Exkursion nicht erlernen“, beugte Prinzinger überhöhten Erwartungen vor, „am besten, Sie genießen einfach den vielfältigen Gesang.“ Dabei dürfte die Analyse der Vogelsprache eine außerordentlich spannende Angelegenheit sein, wie der Biologe selbst ausführte. Ihr Gesang sei nicht nur schön, sondern diente auch der Verständigung. Insgesamt seien bei Vögeln fünfzig verschiedene Lautäußerungen bekannt. Prinzinger: „Vögel können sogar sagen, woher sie kommen und wer sie sind.“ Noch während die Zuhörer schmunzelten, regte sich einer im Gebüsch mächtig auf: „Tschuktschuktschuk“. Klar, der universelle Warnruf der Vogelwelt: „Vorsicht, Bodenfeinde, bedeutet das“, klärte Prinzinger auf.

Prinzinger stellt das Spektiv scharf und such nach Motiven.
Prinzinger am Spektiv

Während am Himmel Feldlerchen tirilierten (Prinzinger: „Sie singen nur im Flug; ihren Gesang kann sich jeder merken“) und das herrliche „dududu“ einer Nachtigall ertönte, wurde weiter hinten auf den Wiesen ein Silberreiher gesichtet; gleich daneben bewegte sich ein Storch. „Allein im Wetteraukreis leben inzwischen 54 Brutpaare, in ganz Hessen etwa 400“, informierte Prinzinger – mehr als um das Jahr 1900. Anhand einer Karte war zu erkennen, dass sich die Storchenpaare vor allem in renaturierten Auengebieten ansiedeln. Sehr schön, befand Prinzinger; zu bedenken sei aber auch, dass Störche „keine Vegetarier sind“ und bei einer zu dichten Population womöglich Bodenbrüter unter zusätzlichen Druck gerieten.

Ein Braunkelchen posierte auf einem Helm für die Vogelinteressierten
Der "Star" der Vogelführung: das Braunkelchen

Dann, nahe eines größeren Wassertümpels, an dem letztes Jahr schon 15 Libellenarten registriert wurden, tauchte sogar ein Braunkehlchen auf. Am flugs aufgestellten Spektiv (Beobachtungsfernrohr) drängelten sich die Teilnehmer, um noch näher dran zu sein. „Diesen Vogel sieht man nicht alle Tage, wir haben wirklich Glück“, so Prinzinger. Tatsächlich ist die Art infolge die immer intensiveren Landwirtschaft und den Umbruch von Wiesen stark gefährdet.

„Miaumiau“, war dann von hoch droben zu hören – die Stimme eines Mäusebussard, der am Himmel seine Kreise zog und womöglich auf Beute aus war. Aber aus dieser Entfernung? Sperbergeier, lernten die Naturfreunde dann, könnten noch höher, so hoch wie ein Flugzeug fliegen und aus 3,5 Kilometer Entfernung eine Maus erkennen.

 

Am Ende, so die Bilanz am Rande des Naturschutzgebietes, hatten die Teilnehmer unter der Anleitung von Prinzinger und 30 Vogelarten gezählt; und einmal mehr wurde klar, wie wertvoll dieses Biotop doch ist. „Schön, wenn wir uns an der Natur erfreuen können“, so Prinzinger, „das erzeugt Achtung und hilft, sie zu erhalten.“