Natur- und Fotoreise an den Neusiedler See

Kürzlich machten sich Mitglieder des NABU und des Fotoclub Karben auf den Weg zum Neusiedler See nach Illmitz in Österreich. Sie erlebten eine Vielfalt an Wasservögeln, die kaum zu überbieten ist.

Die Attraktion am Neusiedler See: Graugans-Familien
Graugans mit Küken (Foto: Klinkowitz)

Am Neusiedler See soll etwa 1500 Brutpaare der Graugans geben. Viele von ihnen hatten schon Küken, manche Paare über 10. Das faszenierende daran war, dass die Tierfamilien die Menschen sehr nahe an sich heranließen. Bei vielen Fahrradtouren am See oder einzelnen Flach-Wasserstellen musste man schon vorsichtig sein, um nicht die Küken zu überfahren. Manchmal sahen wir sogar Gänsepaare mit über 20 Jungen. Nach den Erklärungen der Naturführer neigen Gänsepaare ("Alpha-Paare") dazu, anderen Paaren Junge abspenstig zu machen. Diese Küken folgen dann dem Adoptiv- Elternpaar ohne Probleme. Aber nicht nur die vielen Graugansfamilien faszenierten die Karbener, sondern auch viele andere Vögel wie der Stelzenläufer, Uferschnepfe, verschiedene Regenpfeifer, Rohrdommel, Drosselrohrsänger, Kiebitz, Großer Brachvogel, Löffler und viele Rohrweihen.

An  der Brücke über den Einser Kanal, hier mit der Karbener Reisegruppe, gibt es viel zu beobachten.
Die Brücke über den Einser Kanal mit der Karbener Reisegruppe (Foto: König-Amann)

Ein besonderes Erlebnis war das Sichten eines Wiedehopfes. Der Wiedehopf legt seine Nester sehr niedrig in Baumhölen, Nistkästen oder sonstigen Verstecken an. Wenn Fressfeinde kommen und die niedrigen Nester als leichte Beute ansehen, dann sind das Weibchen und die Jungen in der Lage, dünnflüssigen Kot vermischt mit einem übelriechendem Bürzeldrüsensekret diesen Fressfeinden in die Augen zu spritzen ("stinkt wie ein Wiedehopf"), die dann entsetzt den Rückzug antreten.
Ein anderes Erlebnis war die Beobachtung von mehreren Großtrappen, die nur aus größerer Entfernung beoachtet werden konnten Die Männchen scheinen ihr Gefieder von innen nach außen drehen und aufplustern zu können, so dass der Vogel optisch völlig verwandelt erscheint. Die Großtrappen sind die größten flugfähigen Vögel in Europa, sie sind sehr scheu und äußerst selten. Das Gebiet der Großtrappen ist nahe dem Einser Kanal, der die Grenze zwischen Österreich und Ungarn bildet und den Neusiedler See entwässert. Eine Holzbrücke führt über diesen Kanal. Als der Ungarnaufstand 1956 durch russisches Militär niedergeschlagen wurde, haben viele Ungarn diese Brücke genutzt, um nach Österreich zu fliehen. Die Brücke wurde daraufhin gesprengt, um diese Fluchtmöglichkeit zu schließen. Heute ist diese wieder errichtete Brücke eine Attraktion für viele Österreichbesucher.

Graugänse adoptieren die Küken von Artgenossen: ein Gänse-Kindergarten
Graugänse mit Adoptiv-Küken (Foto: Klinkowitz)

Am letzten Tag haben sich die Karbener auf den Weg gemacht, um den Ziesel kennenzulernen. Der Ziesel ist ein Verwandter der Erdmännchen und sehr kurzweilig zu beobachten. Da der Ziesel nicht schwimmen kann, was sehr ungewöhnlich im Tierreich ist, leidet er immer wieder unter den schwankenden Wasserständen des Neusiedler Sees. Ein natürliches Biotop war vor zwei Jahren geflutet worden, so dass es keine Ziesel zu beobachten gab. Witziger Weise hat sich eine starke Population auf einem Campingplatz breit gemacht. Hier waren die Tiere nicht scheu und fraßen den Campingbesuchern manchmal sogar aus der Hand. Als wir alle wie gebannt die Ziesel beobachteten, tauchte plötzlich ein Feldhamster auf, der etwa doppelt so groß war wie ein Ziesel, und sich inmitten der Ziesel völlig normal bewegte, als wäre er ein Teil von diesen Tieren.