Schwalben, die engsten „Mitbewohner“ des Menschen

In unseren Siedlungen kommen zwei Arten quasi als „Hausfreunde“ vor: Die Rauch- und die Mehlschwalbe. Letztere als ursprünglich typischer Felsenbewohner brütet (auch gerne in Kolonien) außerhalb an Hauswänden, die Rauchschwalbe innerhalb von Gebäuden. Beide Arten mauern dabei ihre Nester aus mit Speichel vermischtem Schlamm selbst, der getrocknet sehr stabil ist.

Mehlschwalbennest mit Kotbrett
Mehlschwalbennest mit Kotbrett, das mehrere Interessenten hat.

Die enge Beziehung der Schwalben zum Menschen zeigt sich in vielen Sprüchen, die vor allem mit dem Wetter in Verbindung stehen. Jeder kennt z.B. „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“. Es gibt aber noch zahlreiche andere. Neben der vergleichenden Darstellung der Biologie beider Arten ging der Referent Prof. Prinzinger vor allem auf die Bestandsentwicklung beider Arten in den letzten Jahren ein. Hier wurde ein dramatischer Rückgang von beinahe 50 Prozent festgestellt, der (neben dem Verlust von Nahrungsinsekten) vor allem auf den enormen Verlust von Nistplätzen zurückzuführen ist. Rauchschwalben finden so gut wie keine offenen Gebäude mit freiem Ein- und Ausflug und die Mehlschwalbe wird in unserer „sauberen“ Gesellschaft nicht mehr geduldet, weil ihr Kot und ihre Bautätigkeit Schmutz verursacht. Dabei kann dies durch Kunstnester und einfache Kotbretter wirkungsvoll verhindert werden. In Karben gibt es viele Hausbesitzer, die dies selbst an neuen Hauswänden praktizieren, die auf ihre Schwalben stolz sind und die jedes Jahr mit Freude deren Rückkehr aus dem Winterquartier erwarten. Leider gibt es aber auch viele, die eine Ansiedlung mit vielfältigen Methoden verhindern und die sogar Nester herunterbrechen, selbst wenn schon Eier oder Jungvögel vorhanden sind.
In Karben mit seinen Stadtteilen wurde dies bei einer Bestandsaufnahme 2015 leider oft festgestellt. Rund 550 Nester wurden gezählt, wobei allerdings nicht alle besetzt waren. Besonders erwähnenswert ist die Schlosserei Bradler, an deren Gebäude knapp 40 Mehlschwalbennester zu finden sind, was für Karben „Spitze ist“.

Schwalbenhaus
Das Schwalbenhaus - mit vielen künstlichen Nestern

Um die Bestandssituation insgesamt zu verbessern, hat sich der NABU vorgenommen, künstliche Nester in größerer Zahl anzubieten. Dazu zählt u.a. ein Schwalbenhaus mit zig Nestern mit Standort im Bereich des Industriegebietes, wozu die Stadt ihre Unterstützung zugesagt hat. Und im Degenfeldschen Schloss besteht die Möglichkeit, im alten Transformator-Haus, wo schon Schleiereulen und Turmfalken nisteten, Kunstnester anzubringen. Die verantwortliche Architektin, Frau Kunad-Riederer hat sich dazu freundlicherweise bereit erklärt.
Zur Finanzierung des Schwalbenhauses werden noch Sponsoren gesucht, die an der aufgestellten Info-Tafel dann auch gelistet werden. Das Schwalbenhaus ist auch in die Liste der hessischen Umweltlotterie „GENAU“ aufgenommen worden, die Naturschutzprojekte fördert. Es lohnt sich deshalb nicht nur für die Schwalben, Lose zu kaufen. Nicht nur sie können dabei gewinnen. Lose kann man z.B. online über das Internet oder direkt (nicht nur) im Kiosk Markgraf in Kleinkarben kaufen. Also nichts wie los!