Nachhaltige Waldwirtschaft zahlt sich aus

 Auf eine Veranstaltung des Karbener NABU hat Bernd Reißmann (Hessenforst) eine positive Bilanz nachhaltiger Waldbewirtschaftung gezogen.

 

Waldexperte Reißmann berichtet über Waldwirtschaft
Bernd Reißmann, Waldexperte von Hessenforst

Vor 250 Jahren war es um den Wald nicht gut bestellt. Ein Porträt von Büdingen und Umgebung, das Reißmann im Clubraum des Karbener Rathauses präsentierte, verdeutlichte das Desaster eindrucksvoll: der Höhenzug im Norden war kahl. Eine Folge rücksichtsloser Nutzung im Mittelalter: Holz war Heizmaterial und wichtiger Rohstoff in den aufkommenden Manufakturen – beispielsweise der Glasproduktion. „Eine Glashütte benötigte damals 20 bis 30 Hektar Wald“, erläuterte der Forst-Experte.

 

Auch bei der Salzverarbeitung wurde reichlich Holz in den Sudpfannen verheizt. So habe eine Saline in Bad Orb im Jahre 1804 immerhin 70 000 Raummeter verbraucht, erläuterte Reißmann, „das entspricht den Ladungen von 1600 LKWs“.

 

Oft seien Wälder auch als Rinder- und Ziegenweide missbraucht worden, oder Laub als Einstreu - „der Wald wurde gefegt und damit ein vernünftiger Stoffkreislauf verhindert“, so Reißmann. Wertvolles Totholz sei bis in die 1960er Jahre „rausgeschafft worden. Folglich seien Waldböden stark versauert („ph-Wert unter zwei“).

 

Reißmann erläutert die Waldwirtschaft
Bernd Reißmann im Gespräch mit Zuhörern

Heute würden Wälder nachhaltig bewirtschaftet, erklärte Reißmann - „ein Verdienst grüner, ökologischer Politik“. Junger Wald würde zu Dauerwald erzogen, der Altersbestand der Bäume erhöhe sich ständig und der Totholz-Anteil liege wieder bei 16 Festmeter je Hektar. Totholz ist die Basis für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Fachleute fordern allerdings mindestens 60 Festmeter je Hektar – andernfalls könne die Anzahl von heute über 25 000 Pflanzen- und Tierarten kaum gehalten werden.

 

Immerhin: der Waldboden sei dabei, sich zu regenerieren. Laut Reißmann liegen die pH-Werte wieder über fünf; und die Buche, Hessens häufigste Baumart, fühle sich wohl. Das scheint sich auch ökonomisch auszuzahlen. „Wir sind, was die Holzversorgung anbetrifft, heute weitgehend autark und schreiben schwarze Zahlen“, so Reißmann, „der Dreiklang zwischen ökonomischen-, ökologischen- und sozialen Ansprüchen funktioniert.“

 

Von Vorschlägen, in Deutschland kleine Naturreservate zwischen 20 und 50 Hektar anzulegen, hält Reißmann allerdings wenig. Solche Reservate hätten schon wegen des hohen Wildbestandes wenig Chancen, und außerdem führten sie womöglich dazu, dass Holz wieder aus Sibirien importiert werden müsse. Auch angesichts der Tatsache, dass weltweit jährlich rund 13 Millionen Hektar Wald verschwänden, sei das keine gute Idee.

 

Statt „Käseglocken“ einzuführen, sei viel Forschungsarbeit angesagt. „Wir wissen noch zu wenig“, gestand Reißmann.