Was Kräuternamen alles verraten

Bei einem NABU-Rundgang durch den Rapps-Naturerlebnisgarten mit Birgit Petri lernten die Besucher verschollenes Wissen über die Wirkungen alter Heilpflanzen neu  – nur der frisch gestylte steinerne Apothekergarten misfiel.

Der Rundgang durch den Garten
Birgit Petri beim Rundgang an der Kräuterspirale (Foto: Arndt)

Im Teich quakten Frösche, Libellen schwirrten. „Hier können Sie alle fünf Sinne einschalten“, freute sich Exkursionsleiterin Petri. Doch vor dem neu gestalteten Apothekergarten stockte der Rundgang erst einmal. Während einzelne noch überlegten, was sie von der strahlenförmig angelegten Steinwüste halten sollten, legte die Referentin schon mal los. „Heilkräuter im Steinbeet“, kritisierte sie, „das macht mich traurig“. Allein das Gewicht der geschredderten Steine töte das Bodenleben. Offenbar habe man hier das „Prinzip der Einfachheit“ missverstanden. Petri: „Das einzig Positive hieran ist, dass das Berufsbild des Steinreinigers wieder zu Ehren kommt.“
Immerhin sprießten, gleichsam als Inseln im steinernen Meer, auch zahlreiche Kräuter. Beinwell, beispielsweise, blühte üppig und wurde von Hummeln umschwirrt. „Der Brei aus der Pflanze hilft bei kleinen Wunden und Verstauchungen“, informierte Petri. Oder das gelblich blühende Schöllkraut, dessen gelblich-weißer Saft gegen Warzen wirkt. Es blühe den gesamten Sommer über, bis im Herbst die Schwalben wegziehen. Daher stamme wohl auch der lateinische Name: Chelidonium. Chelidon bedeutet im griechischen Schwalbe.
Ja, auch über die Namensableitung lässt sich manches über die Kräuter-Eigenschaften erfahren. Beispielsweise beim Johanniskraut, das üppig an der Teich-Böschung wucherte. Das Kraut blühe immer am 24. Juni – dem Johannistag, informierte Petri. Es helfe gegen Hauterkrankungen und Infektionen. Umgekehrt sind Kräuternamen auch in die Umgangs- sprache eingeflossen – Wermut etwa. So sei der Begriff „Wermutbruder“ davon abgeleitet, dass Bitterstoffe und ätherische Öle dieser Pflanze für die Absinth-Herstellung verwendet wurden – ein alkoholisches Modegetränk im 19. Jahrhundert.
Praxis-Tipps gab es obendrauf. „Wenn sie an Mückenstichen leiden“, erklärte Petri und hielt eine frisch gepflückte Spitzwegerich-Pflanze in die Höhe, „reiben Sie sie einfach mit dem Saft dieser Pflanze ein. Das hilft“. In der anderen Hand hielt sie eine Brennessel, meist als leidiges Unkraut verwünscht. „Sie enthält viel Calzium und Magnesium und kann sehr gut zu Salat und Spinat verarbeitet werden.“

Antonio Gurliaco und das natürliche Bienenhaus, die Klotzbeute
Antonio Gurliaco und die Klotzbeute (Foto: Arndt)

Schließlich stellte Antonio Gurliacio von der Karbener  „Bienenbotschaft“ sein natürliches Bienenhaus vor. Vor einigen Wochen hat er eine solche „Klotzbeute“ im Naturerlebnisgarten platziert, in 5 Meter Höhe. Sie besteht aus einem ausgehöhlten, einen Meter hohen Baumstamm. Solche bis ins 18. Jahrhundert benutzen Baumhöhlen sollen Bienen natürliche Nistplätze schaffen und damit ihr Überleben sichern. Der Eingriff des vorgestellten Modells war mit einem Holzgeflecht verschlossen – gegen Angriffe von Spechten. „Ging das nicht auch mit Draht?“, fragte eine Zuhörerin. „Im Prinzip schon, aber Bienen mögen kein Metall“, erklärte Gurliacio. Dass dem Holzdach ein Kegel aus Kupfer aufgepfropft war, passte da nicht so recht ins Bild.