Naturkundliche Führung im Naturschutzgebiet Ludwigsquelle.

"Lassen wir die Wanderung ausfallen oder nicht?", diese Frage stellte sich Prof. Prinzinger, als er beim Parkplatz Ludwigsquelle aus dem Auto ausstieg. Aber ein paar Naturbegeisterte standen trotz des regnerischen und kalten Wetters schon dort. Und dann schwoll die Gruppe auf knapp 20 Menschen an.

Viele Besucher trotzten dem schlechten Wetter an diesem Tag
Trotz Regen und Kälte waren viele Interessierte gekommen

Und es lohnte sich für alle: ziemlich weit entfernt sangen schon die Nachtigall und mehrere Amseln. Auf der Wanderung konnten alle vier heimischen Grasmückenarten gehört werden. Ein erfahrener Vogelexperte konnte sogar eine rufende Wachtel ausmachen.
Mehrere Kiebitze wollten einen Storch vertreiben, der in den Wiesen Nahrung suchte. Zwar frisst der Storch  hauptsächlich Regenwürmer, Mäuse oder Ratten, aber wenn er auf ein Kiebitzküken trifft, dann verschlingt er das auch. Deshalb wehren sich die Kiebitze gegen den Storch. Dasselbe gilt für den Graureiher, der auch entdeckt wurde. Als die Wanderer an dem Storchenhorst vorbei kamen, konnten sie zwei Köpfe sehen, vermutlich ein Altvogel und ein Jungtier. Dann meldete sich eine Goldammer mit ihrem typischen Ruf: "Wie hab ich dich doch soo lieb!"
Immer wieder hörten die Wanderer Singdrosseln, die sehr unterschiedliche Strophen singen, aber zwei- bis dreimal dieselbe Strophe wiederholen. Prinzinger zeigte ein altes Nest am Wegesrand von einer Grasmücke, das nur aus wenigen Halmen bestand und deshalb kaum auffällt, obwohl es in Reichweite von den Fußgängern ist. Ganz anders ein großes Nest in einer hohen Weide, das richtig kompakt aussah. Während die Beobachter noch darüber rätselten, ob es besetzt sei und von wem, flogen zwei Mäusebussarde los, die fast klagend ihr miauendes "Piiäh" riefen. Viele Ringeltauben waren unterwegs und ein Kuckuck rief immer wieder. Aus einer Pfütze rettete Prinzinger einen großen Regenwurm, der vermutlich ertrunken wäre. denn der Sauerstoffgehalt im Wasser ist wesentlich geringer als in der Luft oder in der Erde.
An einem Jägerstand war ein Nistkasten aufgehängt und Prinzinger klopfte an die Holztreppe: sofort verließ ein Feldsperling den Kasten. Als er dann sah, dass keine Gefahr bestand, kehrte der Feldsperling innerhalb von zwei Minuten wieder zurück, um die Eier weiter zu wärmen. Als die Teilnehmer den Beobachtungsstand erreichten, konnten sie von dort aus ein Pärchen Rohrweihen sehen, die nebeneinander saßen. Zum Abschluss hörten die Wanderer den Regenruf des Buchfinks, der manchmal zutrifft wie in diesem Fall, manchmal aber nicht.

Die Exkursion um das Naturschutzgebiet war für alle lohnend, zumal dank des kalten Wetters die Vögel vermehrt einzeln sangen oder riefen, sodass mancher sich nicht durch ein vielstimmiges Konzert überfordert fühlte.