Was Vogelringe über ihre Träger verraten

Auf einer NABU-Veranstaltung in Karben hat der Vogelkundler Uli Eidam darüber berichtet, wie am Berger Hang in Frankfurt Vögel eingefangen und beringt werden. Und welche Geheimnisse die Ringe verraten.

Der Berringungsexperte Uli Eidam berichtet über seine Erfolge  an der Vogelkundlichen Beobachtungsstation Untermain e.V.
Uli Eidam, Berringungsfachmann von der Vogelkundlichen Beobachtungsstation Untermain e.V.

„Vogelfänger müssen gar nicht sportlich sein“, schmunzelte Eidam bei seinem Vortrag in Karben. „Wir fangen die Vögel an zehn Netzstandorten mit Japannetzen und einer Helgoland-Reuse ein“. Und zwar rund um das Sebastian Pfeifer-Haus am Berger Südhang – Stützpunkt der „Vogelkundliche Beobachtungsstation Untermain e.V.“. Wenn sich die Tiere im Netz verfingen, fielen sie in kleine Taschen, aus denen sie nicht mehr heraus fänden. Kein Stress für die Vögel? „Nein,nein, beruhigte Eidam, „die Vögel können sich dabei sogar ausruhen und entspannen.“

 

Nach dem Fang beginnt die eigentliche Arbeit: Die Vogelkundler bestimmen die Art, messen die Flügellänge, bestimmen Geschlecht, Alter und Gewicht, übermitteln ihre Daten an die Vogelwarte in Helgoland – und zum Schluss natürlich der Ring. Eidam: „Den behält der Vogel sein Leben lang“. Seit 1996 hätten die „Untermainer“ auf diese Weise rund 25.000 Vögel eingefangen, die 65 Arten entstammten. Spitzenreiter seien Kohl- und Blaumeisen, gefolgt von der Mönchsgrasmücke, dem Zilp-Zalp, Dorngrasmücke und Rotkehlchen.

 

 

Auch wenn die Routen der Zugvögel heute im Prinzip bekannt sind, lassen sich über die Beringung viele Informationen über deren Lebensumstände oder ökologische Gefährdungen ermitteln. So gibt das Alter eingefangener beringter Vögel gute Hinweise darauf, wie sich die Population entwickelt. Und auch Flugleistungen und Routen können über die Ringe nachvollzogen werden. Beispielsweise habe man einen Teichrohrsänger eingefangen, berichtete Eidam, der in acht Jahren 16 mal nach Afrika und zurück gewandert sei. Registriert werden konnte aber auch, dass eine Singdrossel vom Berger Hang auf Mallorca geschossen wurde und ein gerade mal acht Gramm leichter Zilpzalp es bis ins russische Rybatschi (früher Rositten) geschafft habe.

 

Klar, dass die Berger Vogelkundler kleinste Veränderungen an der Population registrieren. So sei eine Mönchsgrasmücke mit einem Londoner Ring aufgetaucht. „Die haben mitgekriegt, dass die Engländer füttern wie die Teufel“, glaubt Eidam. Dagegen sei die Anzahl eingefangener Trauerschnäpper brutal zurückgegangen: Von 3210 in 1972 auf heute gerade mal drei. Und als unlängst am Berger Hang die Hecken abgeholzt wurden, gab es plötzlich keine Nachtigallen mehr.

 

 

Umso erfreulicher ist es dann, wenn plötzlich eine seltene Art ins Netz geht – etwa wie kürzlich ein Orpheusspötter. „Den hatten wir vorher noch nie hier gesehen“, berichtete Eidam.

 

 

Wer mal auf einen beringten Vogel stoßen sollte und die Arbeit der Vogelkundler unterstützen möchte, wendet sich am besten direkt an Uli Eidam, Telefon 069 724637, ulieidam@yahoo.de.