Vortrag: “Inventar“ des Himmels

In einer gemeinsamen Veranstaltung des NABU Karben und des Karbener Geschichtsvereins hat Hans Hansen am 27.10.2017 im Bürgerzentrum in Karben einen Vortrag über das “Inventar“ des Himmels gehalten. Der Vortrag war gut besucht, der große Clubraum des Bürgerzentrums war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Mit dem „Inventar“ des Himmels meinte der Referent natürlich die unterschiedlichen Himmelskörper, die man am Himmel sehen kann.
Zunächst beschrieb Hansen die Entstehung des Sonnensystems aus einem Urnebel aus Gas und Staub, der sich zu einer rotierenden Scheibe zusammenschloss. In dieser Scheibe wurden Gas und Staub immer mehr zusammen gepresst, bis schließlich die Ursonne, die Gas- und Gesteinsplaneten entstanden. Im Zentrum der Ursonne begann bei sehr hohen Temperaturen und Kompressionsdrücken eine Atomkernverschmelzung. Aus den Atomkernen des Wasserstoffs entstanden Heliumatomkerne, verbunden mit einer gewaltigen Energieabgabe in das Weltall. Diese Kernverschmelzung hielt seit etwa 4,5 Milliarden Jahren bis heute an und wird noch weitere Milliarden Jahre andauern.
In einem zweiten Abschnitt beschrieb Hansen den Lebenszyklus massearmer und massereicher Sterne. Massearme Sterne von der Größe von 1 bis 8 Sonnenmassen leuchten rund 10 Milliarden Jahre. Dann blähen sie sich aufgrund geänderter Atomkernver-schmelzungsprozesse zu einem Roten Riesen auf, verlieren in einer Nova-Explosion ihre Gashülle und bilden einen Weißen Zwergstern.  Dieser hat etwa nur die Größe der Erde, enthält aber etwa 60 % der ursprünglichen, riesigen Sternenmasse.
Massereiche Sterne haben eine wesentlich kürzere Lebenszeit. Die Atomkernfusionsprozesse laufen in diesen Sternen wesentlich schneller und mit wesentlich höherer Energieabstrahlung ab. Sterne mit 8 - 20 mal der Sonnenmasse strahlen viel heller als die Sonne und verbrauchen ihren Kernbrennstoff in weniger als 20 Millionen Jahren. Dann bricht ein solcher Überriese unter seiner eigenen Schwerkraft zusammen. Es entsteht eine Supernova-Explosion. Zurück bleibt ein schnell rotierender Neutronenstern. Eine solche Supernova-Explosion erschien im Jahre 1054 am Sternenhimmel. Sie wurde von chinesischen Astronomen beobachtet. Die Erscheinung konnte 23 Tage am Taghimmel mit bloßem Auge gesehen werden und verschwand dann langsam. Heute steht, nach knapp tausend Jahren, an dieser Himmelsstelle im Sternbild des Stieres, der wunderschöne Krebsnebel (Crab-Nebel). Er ist 6.300 Lichtjahre entfernt. Im Zentrum des Nebels leuchtet ein Neutronenstern.
Abschließend ging Hansen auf die Struktur der Milchstraße ein. Am Nachthimmel erscheint die Michstraße wie ein Band glitzernder Punkte, die mit einem Fernrohr in lauter Sterne aufgelöst werden kann. Die Milchstraße besteht aus Hundertmilliarden Sternen, von denen die meisten ein Planetensystem entwickelt haben könnten (vergleichbar mit unserem Sonnensystem). Die Milchstraße bildet eine gigantische, flache Scheibe in Form einer Spirale. Das Zentrum der Spirale ist zu einem Balken verbreitert. Die Ausdehnung der Milchstraße beträgt etwa 100.000 bis 120.000 Lichtjahre. In der Seitenansicht  erkennt man ihre Scheibenform mit einem bauchigen Zentrum (Bulge). Das Zentrum ist wegen einer riesigen Gas-/Staub-wolke von der Erde aus nicht zu sehen. Das Sonnensystem liegt rund 26.000 Lichtjahre vom Zentrum entfernt im Orion-Arm der Spirale. Die Milchstraße ist eine Balkengalaxie, die in etwa 240 Millionen Jahren einmal um sich selbst dreht.