Bauboom für Mauersegler

Der Mauersegler-Pionier Ingolf Grabow hat auf einer NABU-Veranstaltung in Karben darüber berichtet, wie die „Mauersegler Initiative Frankfurt“ über 2700 Nistplätze in der Stadt eingerichtet hat. Oft gegen erheblichen Widerstand.

Der Mauersegler Experte Ingolf Grabow berichtet über seine Erfolge
Ingolf Grabow im Gespräch mit den Zuhörern

„Gesucht: Dachwohnung für Luftikusse“, hat die Initiative in Frankfurt bei Mietern und Eigentümern für Mauersegler-Nistplätze geworben, „mach Dir einen schönen Sommer“. Der „perfekte Flieger“ sei ein typischer Stadtvogel, informierte Grabow, und leite mit seiner Rückkehr aus dem südlichen Afrika den Sommer ein. Mauersegler hielten sich neun Monate in Afrika und nur drei in unseren Städten auf – um zu brüten und die Jungen aufzuziehen. „Wie ein Fisch im Wasser“ bewege er sich: er schlafe im Fliegen, jage im Flug und könne 20 Jahre alt werden.


Obwohl Mauersegler kaum Schmutz hinterlassen, seien Eigentümer und Architekten immer noch skeptisch, wenn es um den Einbau von Brutkästen gehe, berichtete Grabow. „Es gibt keinen Bauboom für Gebäudebrüter, es muss ja immer alles clean bei uns sein“.


Grabow scheint das anzustacheln; notfalls scheut er sich auch nicht davor, die Untere Naturschutzbehörde einzuschalten und Baustopps durchzusetzen. Ein Bornheimer Mieter habe ihn beispielsweise unlängst darüber informiert, dass Mauersegler immer wieder vergebliche Anflüge auf die Fassade starteten. Das Mietshaus sollte renoviert werden und war mit einem Netz verhängt. Als Grabow dann in einer Nische ein Gelege mit Eiern entdeckte, endeten die Bauarbeiten erst mal. „Brütende Vögel dürfen nicht behindert werden“, so Grabow. Inzwischen sei ein Brutkasten in die Nische eingesetzt.


Auch beim Neubau des Historischen Museums hat Grabow interveniert. Erst verhinderte er, dass eine Wand mit Spatzennestern von Efeu befreit und anschießend mit Graffiti verschönert wurde („Wo Spatzen nisten, tauchen auch Mauersegler auf“); und später, nachdem wirklich ein verletzter Mauersegler eingesammelt wurde, setzte er Ersatz-Nistplätze hoch droben an der neuen Museumswand durch.

Erfolge gab es auch an Frankfurter Schulen. Manchmal würden Nistplätze in Traufkästen unterbracht, manchmal in Dämmungen versteckt, manchmal seien sie von innen zugänglich. „Gerade Schülerinnen und Schüler können auf diese Weise den Artenschutz direkt erleben“, ermuntert Grabow Lehrer und Verwaltung. Privatleute meldeten sich ebenfalls bei ihm, freute sich Grabow. An der Wohnung eines Piloten etwa, („Er fühlt sich mit Mauerseglern seelenverwandt, weil er ebenfalls beim Fliegen schläft“) wurden Nistkästen montiert; oder auf dem Balkon einer Niederräder Wohnung im 14. Stock. Die größte Kolonie brütet aber im Heddernheimer „Mauersegler-Hotel“: In dem früheren Weltkriegsbunker wurden über 50 Nistkästen installiert, die meisten davon sind besetzt.  

Trotz der Erfolge gäbe es aber Grund zur Sorge. Wegen der industrialisierten Landwirtschaft mangele es zusehends an Insekten – die Lebensmittel der Gebäudebrüter. Grabow plädierte daher für mehr Öko-Anbau und mehr „kleine Wildnisse in Städten“.