Mit der Flöte einen Steinkauz angelockt

Bei einer NABU-Exkursion am Karbener Rosenhang gelang es Falkner Helmut Anhäuser, mit seiner Flöte einen Steinkauz aus der Deckung zu locken. Die zahlreichen Teilnehmer waren begeistert.

Helmut Anhäuser erklärt Unterschiede einzelner Eulenarten (Foto: Fritz Arndt)
Helmut Anhäuser mit Kauz und Eule (Foto: Fritz Arndt)

Ein denkwürdiger Abend am Rosenhang in Karben: Unten, vor einer Pferdeweide bemühte  Exkursionsleiter Helmut Anhäuser alte Eulengeschichten, droben, in Sichtweite, kreiste ein Polizei-Hubschrauber: Suche nach einer verschwundenen Seniorin. Sollte an der alten Mär vom Steinkauz als Todesboten womöglich was dran sein? Dann packte Anhäuser seine Löckflöte aus und ahmte den Ruf des Steinkauzes nach. Und tatsächlich schwang vom unteren Ende der Weide ein spitzes „Kwiau“ herüber, erst ganz leise und dann immer deutlicher „Er kommt immer näher“, freute sich Anhäuser, „der Kauz hat was dagegen, dass sich ein Konkurrent in seinem Revier herum treibt“. Noch ein Flötenton – und schon schwebte das Käuzchen lautlos heran und ließ sich schließlich auf einem Apfelbaum nieder.  „Sowas haben wir hier noch nicht erlebt“, freute sich der Exkursionsleiter.
Tatsächlich kommt das von der Beweidung niedrig gehaltene Gras den Käuzen entgegen. Sie jagen schließlich am Boden, ernähren sich vorwiegend von Insekten, verschmähen aber auch keine Mäuse. Früher, berichtete Anhäuser, hätten Eulen auch gerne in Scheunen gewohnt. Die waren mit Futtervorräten vollgestopft und zogen daher auch Mäuse an – die ideale Speisekammer auch für Steinkäuze. Dass heute in den übriggebliebenen Scheunen „bestenfalls ein Mercedes steht“, so Anhäuser, mache den Eulen das Leben schwer. Und da es auch immer weniger Wiesen gäbe, mangele es an Nahrung. „Sie können keine Fettpolster anlegen und verhungern leicht“, erläuterte er, „sie sind sehr abhängig von der Wetterlage“.

Annhäuser analysiert Gewölle von Eulen (Foto: Fritz Arndt)
Annhäuser zeigt ein Gewölle (Foto: Fritz Arndt)

Das Käuzchen am Karbener Rosenhang hat es offenbar geschafft, bei anderen Eulenarten sieht es schlechter aus. „Die nächste mir bekannte Uhu-Brut erfolgt in Rosbach“, berichtete Anhäuser; und Schleiereulen tauchten nur vereinzelt auf, beispielsweise in der Petterweiler Katholischen Kirche; oder in der Evangelischen in Groß-Karben, wie NABU-Aktive wissen, schließlich reinigen sie regelmäßig die Nester und entsorgen deren Gewölle (Speiballen mit unverdaulichen Nahrungsresten).
Am Eulengewölle lässt sich gut erkennen, wie deren Speisekarte aussieht. Als Beweis  packte Anhäuser ein paar dieser Ballen aus und zerbröselte sie.  „Weiß jemand, was das für Knochen sind?“  lautete dann die Frage insbesondere an die jungen Teilnehmer. Der Unterkiefer einer Maus war da zu sehen – Reste eines Eulen-Mahls. Da staunten die Jungs.
Seinen Ruf als unheimlicher „Totenvogel“ dürfte der Kauz in Karben allerdings verspielt haben: Die verirrte Seniorin wurde noch vor Einbruch der Dunkelheit gesichtet – verletzt, aber lebend.