114 Euro zahlt jeder von uns für EU-Agrarpolitik mit fataler Umweltbilanz

Im November 2018 hatte der NABU Karben zu einem agrarpolitischen Vortrag mit anschließender Diskussion eingeladen. Die Referentin Angelika Lischka arbeitet in der NABU-Bundesgeschäftsstelle in Berlin zu den Themen Naturschutz und Landwirtschaft.

Angelika Lischka referiert über die EU-Agrarpolitik und erläutert die 114 Euro Aktion des NABU (Foto: Jürgen Becker)
Angelika Lischka während ihres Vortrages (Foto: Jürgen Becker)

Lischka berichtete den über 30 Gästen, darunter auch einigen Landwirten aus der Region, über den massiven Verlust der Artenvielfalt in den Agrarlandschaften und die damit ursächlich zusammenhängende EU-Agrarpolitik.

Über 50 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands werden landwirtschaftlich genutzt, davon rund 70 Prozent als Ackerland und 29 Prozent als Grünland. Die landwirtschaftliche Praxis hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Menschen im ländlichen Raum, auf die Beschaffenheit unserer Landschaften und die Vielfalt von Tieren und Pflanzen, auf die Qualität von Wasser, Böden und Luft sowie auf das Klima.
Wesentlich beeinflusst wird unsere Landbewirtschaftung von der "Gemeinsamen Agrarpolitik der EU" - auch kurz GAP genannt. Jedes Jahr fließen rund 40 Prozent des EU-Haushalts in die Agrarförderung. Das sind etwa 58 Milliarden Euro. Im Durchschnitt bezahlt jede Bürgerin und jeder Bürger der EU also pro Jahr 114 Euro für die EU-Agrarpolitik.
Eine naturverträgliche Landnutzung ist notwendig für das Überleben vieler geschützter Tier- und Pflanzenarten und ihrer Lebensräume. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Landwirtschaft jedoch zu einem wesentlichen Faktor für die Belastung der Umwelt und das Artensterben geworden.
Durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu einem massiven Verlust an artenreichem Grünland, zu einer Monotonisierung der Landschaft durch Verengung von Fruchtfolgen und Vergrößerung von Ackerschlägen, zur übermäßigen Nährstoff- und Pestizidbelastung des Grund- und Oberflächenwassers, zu einem vermehrten Anbau von Energiepflanzen sowie zu einem Verlust an ökologischen Rückzugsflächen wie Brachen. All das hat die dringend benötigten Lebensräume für viele Arten und auch ihre Nahrungsgrundlage drastisch eingeschränkt.
Hierfür ist die GAP mit ihrer Förderpolitik zwar nicht allein, aber doch zu einem großen Teil verantwortlich. Denn die Agrarsubventionen per „Gießkanne“, die zum größten Teil als reine Flächenprämie unabhängig von der Art der Bewirtschaftung gezahlt wird, fördern die umweltschädliche Intensivierung, während viel zu wenig Mittel für die gezielte Honorierung von Naturschutzleistungen der Landwirte bereit stehen.

Nach dem Vortrag diskutiert Angelika Lischka mit Karbener Landwirten (Foto: Jürgen Becker)
Angelika Lischka diskutiert mit Karbener Landwirten nach ihrem Vortrag. (Foto: Jürgen Becker)

Daher ist es nach Überzeugung des NABU dringend erforderlich, drastisch umzusteuern. Im Agrarbereich sollten Gelder aus öffentlichen Kassen nur noch für

Leistungen der Landwirtschaft verwendet werden, wie die Sicherung und Förderung von Boden, Wasser, Klima, Biodiversität und Landschaft. Zusätzlich sind ausreichend ambitionierte gesetzliche Mindeststandards gefordert, die garantieren, dass die Landwirtschaft flächendeckend nachhaltig wird.
In den kommenden Monaten verhandeln unsere Europaabgeordneten, Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner und die Bundeskanzlerin in Brüssel darüber, wie die Agrarsubventionen künftig verteilt werden. In unser aller Interesse muss es sein, dass diese 114 Euro eine naturverträglichere Landwirtschaft fördern.
Letztlich liegt es auch an uns Verbraucherinnen und Verbraucher, den Wandel zur naturverträglichen Landwirtschaft zu beschleunigen. Und auch als Wählerinnen und Wähler sind wir gefragt. Denn eine zentrale Rolle bei den Neuverhandlungen zur EU-Agrarpolitik spielen die Europa-Abgeordneten. Mit der Mitmach-Aktion “Meine 114 Euro für ...” kann jede Bürgerin und jeder Bürger die Mitglieder des Europa-Parlaments (MdEPs) des eigenen Wahlkreises anschreiben.
Aber auch an der Ladentheke und im Garten kann sich jeder für Artenvielfalt einsetzen, z.B. indem man beim Konsum auf regionale, faire und biologisch angebaute Produkte setzt. Dadurch trägt man zur nachhaltigen Landwirtschaft bei. Weitere Informationen und Tipps, was jeder für eine naturverträglichere Landwirtschaft tun kann, finden Sie unter: www.NeueAgrarpolitk.eu
Im Anschluss an den Vortrag entspann sich eine interessante Diskussion über den Verlust der kleingliederigen Landwirtschaft, das Verbraucherverhalten und die dominierende Einkaufsmacht weniger großer Firmen wie z.B. Lidl, Rewe und Aldi, die die Preise bestimmen können.

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