Der Klimawandel - Fakten, Fragen, Folgerungen

Vor rund 30 Zuhörern sprach Prof. Dr. Roland Prinzinger vom NABU Karben über das Thema: Wird es der Erde zu warm? Der Klimawandel - Fragen, Fakten, Folgerungen.

Prof. Dr. Roland Prinzinger vom NABU Karben referiert über den Klimawandel  (Foto: Prinzinger)
Der Vortragende Prof. Dr. Roland Prinzinger (Foto: Prinzinger)

Ausgehend von aktuellen Meldungen im Herbst 2018 über den Hambacher Forst zum Schutz des Waldes, Hurrikans in Asien und Amerika und die aktuelle Trockenheit wurde in das spannende Thema eingeführt. Den Beginn bildet US-Präsident Trumps  Statement von 2016: Die Klimaproblematik sei  eine Erfindung der Chinesen, um die amerikanische Wirtschaft zu schädigen, und er kündigte das Pariser Klimaabkommen von 2015. Man muss allerdings auch wissen, dass  es in den USA eine  Klimaallianz von 82 Städten und 9 Staaten gibt, die die Vorgaben von Paris weiterhin einhalten wollen.
An Hand von aktuellen Daten stellte der Referent dann zunächst die ausführliche Entwicklung der Parameter dar, die wesentlich dazu beitragen, dass es der Erde zu warm wird, dass ihre Temperatur in gefährlicher Weise ansteigt.
Hauptursache sind  die sogenannten Klimagase, die verhindern, dass eingestrahlte Sonnenwärme in den Weltraum zurückgestrahlt wird und deshalb zu einer Temperaturerhöhung unserer Umwelt führt. Das hauptverantwortliche Gas ist das Kohlendioxyd CO2. Dessen Konzentration und die dazu parallel verlaufende Temperatur haben zwar auch früher geschwankt, allerdings in Zeiträumen von hunderttausenden von Jahren. Der aktuelle Anstieg innerhalb weniger Jahrzehnte hätte in der Erdgeschichte vorher mehrere zehntausend Jahre gedauert. Dass die Kohlendioxyderhöhung und der Temperaturanstieg direkt voneinander abhängen, ist unter den weltweit rund 90 Klimainstituten wissenschaftlich unstrittig. Dennoch gibt es immer noch viele Klimaleugner bzw. Klimaskeptiker in der Wirtschaft, der Politik und den Medien.
Neben dem Kohlendioxyd gibt es aber eine Reihe weiterer Klimagase: Methan, Lachgas, Stickoxide und die heute verbotenen, über viele Jahre stabilen Fluorkohlenwasserstoffe, die z.Z. die 1000-fache Wirkung von CO2 haben. Die von diesen Gasen bewirkte Erhöhung der Temperatur um bisher rund 1,8 °C hat vielfältige Folgen: Die Gletscher schmelzen ab (Reduktion um 13 %), der Meerwasserspiegel steigt (rund 20 cm), und das Meer wird wärmer (+ 1°C) und saurer (+ 30%). All dies hat gravierende Effekte auf unser Wetter: So lässt sich die große Zunahme von Extremwetterlagen (z.B. die diesjährige Hitzephase mit Jahrhunderttemperaturen) auf die klimabedingte Verschiebung des sogenannten Jetstreams zurückführen. Das Gleiche gilt für das vermehrte Auftreten von Hurrikan und Taifunen. Aber auch das übrige Ökosystem wird verändert.
Viele wärmeliebende Tierarten haben sich von Süden kommend nach Norden ausgebreitet, aber auch Pflanzen, z.B. Ambrosia, die ein starkes Allergen darstellt. Viele ehemalige Zugvögel bleiben im Winter hier und brüten bis zu einem Monat früher.
Die Weltgemeinschaft hat diese Gefahr erkannt und mit Klimakonferenzen auf dieses Problem reagiert und Vorschläge erarbeitet, wie der Klimaerwärmung gegengesteuert werden kann. Nach dem Kyoto-Protokoll 2005 soll der jährliche Treibhausgas-Ausstoß  2008–2012 gegenüber 1990 um 5,2 % reduziert werden. In Paris 2015, dem Nachfolge-Protokoll von Kyoto sollte die Begrenzung  der globalen Erwärmung deutlich unter 2 °C, möglichst 1,5 °C liegen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten die Treibhausgase bis 2060 auf 0 reduziert werden. Die Verbrennung fossiler Energieträger muss bis 2040 komplett eingestellt werden. Kaum mehr als 10 Staaten (darunter auch die USA!) erreichen dieses Ziel. Der angebliche Klimaweltmeister Deutschland ist unter den vielen, denen das nicht gelingt. Selbst vom Pariser Ziel bis 2020 sind erst  27 % des Solls erreicht und der CO2-Wert steigt aktuell sogar wieder, weil die Autos wegen immer schwerer aber beliebten SUVs (an 2. Stelle der Zulassungsstatistik) mit hoher Leistung den Durchschnittsverbrauch der PKW  in die Höhe treiben. Gerade beim Verkehrssektor, der rund  ein Drittel des CO2-Ausstoßes verursacht, steckt noch viel Einsparungspotential, zu dem sich der deutsche Autofahrer nicht gerne überzeugen lässt. Prinzinger fasste dies am Schluss seines Vortrages unter dem Spruch zusammen: „Was dem Ami seine Knarre, ist dem Deutschen seine Karre“. So fand er zum Anfang seines Vortrages zurück. Auf die Frage, was man gegen die Klimaproblematik selbst machen kann, lautete seine Antwort: Anfangen was zu tun!