Pilzwanderung durch den Hessenwald

Gut 20 Pilzliebhaber hatten sich eingefunden, um Wolfgang Schößler durch den herbstlichen Wald zu begleiten.

Wolfgang Schößler mit einen Lackporling (Foto: Jürgen Becker)
Schößler hält in den Händen einen jugendlichen Lackporling und einen alten, die beiden Pilze sehen sehr unterschiedlich, obwohl die beiden von demselben Pilz stammen (Foto: Jürgen Becker)

Bevor die eigentliche Wanderung los ging, erzählte Schößler in seiner launigen Art, dass es in Deutschland  über 10.000 Großpilzarten gibt. Dreimal so viel wie die Pflanzenwelt ausmacht. Pilze sind eine eigenständige Organismengruppe also weder Pflanzen noch Tiere. Jedes Jahr werden ca. 200 bis 300 neue Pilzarten weltweit neu beschrieben.  Verschiedene Pilze leben als Symbionten mit einer Pflanze in Symbiose und tauschen über das Mycel und die Wurzeln der Pflanze Mineralien aus, während sie von ihrem Partner Kohlenstoffe erhalten.  Andere Pilzarten sind Parasiten, die sich von lebenden Organismen, z.B. Pflanzen oder Tieren ernähren.
Eine wichtige Funktion als Destruenten übernehmen wiederum andere Pilzarten. Sie zerlegen totes organisches Material  wie Blätter, Holz usw. in ihre Bestandteile und machen es so für Pflanzen wieder verwertbar. Schößler berichtete von einem Hallimasch, der ein riesiges Mycel ausgebildet hatte,  das eine Fläche von 1200 Fußballfeldern abgedeckt hatte. Es ist der größte bislang bekannte lebende Organismus.
Er zeigte auch, dass man überhaupt nicht mit Bestimmtheit annehmen kann, einen essbaren Pilz gefunden zu haben, wenn man sich nur an dem Bild der normalen Pilzbücher orientiert.  Vielmehr solle man auch den Text dazu lesen. Er demonstrierte das an einem mitgebrachten Lackporling, wo der junge Pilz sich wesentlich  von dem älteren Pilz unterschied: farblich und strukturmäßig, obwohl es derselbe Pilz war.

Schön anzusehen: Schmetterlings-Tramete (Foto: Jürgen Becker)
Schmetterlings-Tramete der sieht ja richtig fotogen aus (Foto: Jürgen Becker)

Schließlich ging es in den Wald über Stock und über Stein. Insgesamt wurden über 40 Arten erklärt. Der beste Fund, ein großer Steinpilz, wurde allerdings von der Gruppe übersehen. Einen Kahlen Krempling nahm der Pilzexperte zum Anlass darauf hinzuweisen, dass früher Kremplinge von Pilzsuchern unbedenklich gegessen wurden. Inzwischen weiß man, dass sich die Gifte im Körper ansammeln und wenn eine bestimmte Grenze erreicht wird, es zu einer schweren Vergiftung mit Todesfolge kommen kann.
Schößler ließ die Wanderer ein kleines Stück von einem Milchling versuchen. „Wenn es scharf schmeckt, dann ist der Milchling giftig und wenn es milde schmeckt, dann ist der Pilz essbar“. Da das Pilzstück scharf schmeckte, war es giftig und Schößler gab den Rat, das Pilzstück auszuspucken, dann sei die ganze Kostprobe ungefährlich. Das Gleiche gilt für Täublinge. Er machte ausdrücklich darauf aufmerksam, dass dieses Verfahren nur für Milchlinge und Täublinge gilt. Viele kleine, unscheinbare und unbekannte Pilze wurden von den Pilzwanderern im Laufe des Nachmittags gefunden: u.a. Faltentintling, Rehbrauner Dachpilz, Kräuterbecherchen, Weichritterling, Striegeliger Schichtpilz und Tränender Saumpilz usw. Zum Abschluss der Pilzwanderung fanden die Pilzfreunde eine Gruppe von großen Parasolpilzen. Insgesamt war es interessanter Nachmittag mit vielen Informationen über das Reich der Pilze.