"Kwiau, Kwiau" heißt "hau ab aus meinem Revier"!

Am späten Nachmittag war es sehr kühl und regnerisch. Einige Unentwegte hatten sich beim Parkplatz am Rosenhang in Karben trotzdem eingefunden, um mit Helmut Anhäuser dem Balzlied des Steinkauzes zu lauschen. Ob der Steinkauz bei dieser kühlen Witterung überhaupt balzen würde, fragte sich mancher aus der Runde. Aber zunächst stellte Anhäuser diese kleine Eule vor.

Helmut  Anhäuser präsentiert einen ausgestopften Uhu, der im Gegensatz zum Steinkauz wesentlich kleiner ist  (Foto: Jürgen Becker)
Helmut Anhäuser mit einem ausgestopften Uhu, den er als Gegensatz zu einem Modell eines Steinkauzes zeigte, der wesentlich kleiner ist (Foto: Jürgen Becker)

Der Steinkauz ist die kleinste Eule Europas - allerdings ist der Sperlingskauz noch kleiner -  berichtete Anhäuser. Früher wurden die Eulen in Nordeuropa verfolgt und mitunter sogar an das Scheunentor genagelt, weil sie als Unglücksbringer galten. Manche Menschen nannten den Steinkauz auch "Totenvogel". Das beruht auf einer frühen Beobachtung, als es noch kein elektrisches Licht gab, da wurden häufig beim Krankenlager Kerzen angezündet und die Nacht-Insekten flogen zum Licht. Wenn der Kranke dann starb wurde es auf die Eule geschoben, zumal der Steinkauz, wenn er erregt ist, seinen Ruf erschallen lässt. Dieses "Kwiau"wurde dann als "Komm mit" interpretiert. Der Steinkauz ernährt sich nämlich zu wesentlichen Teilen von Insekten. In den Ländern des Südens galten die Steinkäuze als Glücksbringer und wurden entsprechen verehrt. Heute gibt es noch auf der griechischen Ein-Euro-Münze die Abbildung eines Steinkauzes.
Der Steinkauz nistet in hohlen Ästen und legt 4 bis 6 weiße Eier, die total rund sind. Im Gegensatz zu den Greifvögeln, deren Eier generell farbig und oval sind. Die Zahl der Eier bei Eulen hängt von der Futtergrundlage ab: wenn es viele Mäuse gibt und das Männchen diese rings um den Nistplatz herum legt, dann werden mehr Eier gelegt, als wenn es ein schlechtes Mäusejahr ist.  Eulen sind Nacht- und Gehörjäger und haben deshalb versetzte Ohröffnungen, so dass sie wesentlich besser und räumlich hören können. Die Greifvögel sind Tagjäger und jagen mit den Augen, die sehr scharf sind. Noch ein Unterschied besteht zwischen Eulen und Greifvögeln: Anhäuser erklärte den geräuschlosen Flug der Eulen und zeigte entsprechende Federn von Eulen, die bei Eulen am vorderen Rand eine Zahnung aufwiesen und damit die Luft zerteilt werden kann. Im Gegensatz dazu ist die Greifvogelfeder glatt. Sie erzeugt dadurch ein lautes Geräusch, wie das eines die durch die Luft geschlagenen Lineals.
Während dieser Erklärungen von Anhäuser hörte die Gruppe mit einem Ohr, ob der Kauz nicht schon ruft. Aber das war nicht der Fall. Dann holte Anhäuser die Lockflöte heraus und alle lauschten gespannt, ob sich nicht eine Eule meldete. Nach fünf vergeblichen Versuchen mit der Lockflöte wollte Anhäuser schon aufgeben. Aus der Runde kam die Bitte, doch noch einmal einen Versuch zu starten. Nach dem letzten Ton hat sich doch eine Eule gemeldet - erst weiter weg und dann, nach mehreren Tönen aus der Lockflöte, kam der Steinkauz näher. Zunächst wollte der Kauz vermutlich feststellen, ob der vermeintliche Konkurrent nicht wieder fort flog, weil das Revier besetzt war. Aber dann kamen ärgerliche Rufe "Kwiau, Kwiau, Kwiau .....", was so viel bedeuten sollte, "hau ab, hau ab, hau ab aus meinem Revier"! Einige Beobachter haben sogar zwei Steinkäuze gesehen gegen den helleren Abendhimmel. Damit war es doch schließlich ein erfolgreicher Abend. Als sich die Menschen schon auf dem Weg nach Hause machten, kam ein zweiter und ein dritter Steinkauz dazu und riefen empört ihr "Kwiau, Kwiau, Kwiau..."