Panguana – Paradies für Insekten im Tieflandregenwald von Peru

Der Weg nach Panguana ist lang und führt fast um die halbe Welt. Die Forschungsstation Panguana im Tieflandregenwald von Peru wurde 1968 von den deutschen Zoologen Dr. Maria und Prof. Dr. Hans-Wilhelm Koepke gegründet. Diese älteste biologische Forschungsstation des südamerikanischen Landes ist nach dem  Wellen-Tinamu benannt, einem Vogel der wegen seiner melancholischen Pfiffe bei der indigenen Bevölkerung „Panguana“ heißt. Die Station, die anfangs nur eine einfache Behausung war, wurde im Laufe der Jahrzehnte ausgebaut und bietet inzwischen Platz für mehrere Forscher.

Prof. Dr. Gnatzy referiert über die Insektenvielfalt von Peru (Foto: Jürgen Becker)
Prof. Dr. Gnatzy nach seinem Vortrag (Foto: Jürgen Becker)

Das ca. 15 Quadratkilometer große  Forschungsgelände ist noch weitgehend unberührter Regenwald und befindet sich weitab aller Touristenpfade. Panguana liegt am Rande des 40 Meter breiten Yuyuapichis, einem Nebenfluss des Rio Pachitea, der wiederum ein Quellfluss des Amazonas ist. In der Sprache der Indigenen wird der Yuyuapichis „lügender Fluss“ genannt, weil er nach starken Regenfällen im entfernt liegenden Sira-Gebirge plötzlich um bis zu sieben Meter anschwellen kann und dann zu einem reißenden Fluss wird. In dem Gebiet gibt es ca. 180 Regentage, d.h.  jährlich fallen etwa 3000 mm Regen, also etwa  fünfmal  so viel wie bei uns im Rhein-Maingebiet. Zusammen mit den hohen Tagestemperaturen herrscht in Panguana ein typisch schwülwarmes Tropenklima.

In seinem Vortrag beschränkte sich Prof. Dr. Gnatzy auf wenige Insektengruppen. Er zeigte eindrucksvolle Bilder von prächtig gefärbten und großen Tagschmetterlingen und führte aus, dass in dem nur 15 qkm großen Gebiet von Panguana bisher bereits 600 verschiedene Tagfalterarten nachgewiesen werden konnten. Im Vergleich dazu  gibt es im rund 357.582 qkm großen Deutschland nur etwa 180! Überwältigend ist auch die Zahl der Kleinschmetterlinge in der Region. Forscher schätzen, dass es über 15 000 verschiedene Arten gibt.

Bärenspinner
Der tropische Bärenspinner
Edelfalter
Der Edelfalter, ein Schmetterling mit durchsichtigen Flügeln
Prachtbiene
Das metallisch grün schillernde Prachtbienen-Männchen

Mit Makroaufnahmen und Video-clips gab der Vortragende außerdem Einblick in die Welt der Prachtbienen. Deren  Männchen fallen durch ihre grün, blau oder rot gefärbte metallisch glänzende Körperoberfläche auf. Die Prachtbienen-Männchen sind sozusagen „dufte Bienen“, denn sie sammeln mit ihren Beinen verschiedene Duftstoffe, vorwiegend von Orchideen, die sie so „nebenbei“ bestäuben. Bis zu 40 verschiedene Duftkomponenten speichern die Prachtbienen-Männchen in ihren verdickten Hinterbeinen. Warum? Offenbar sind Prachtbienen-Männchen mit gut gefüllten Duftbeinen für Prachtbienen–Weibchen besonders attraktiv. Schließlich zeigte der Vortragende noch Blattschneiderameisen bei ihrer nächtlichen „Ernte“-Arbeit. Ein längerer Video-clip von bunten Bärenspinnern, die mit speziellen, getrockneten Pflanzen geködert wurden, rundete den Vortrag ab. Der Vortrag vermittelte einen Eindruck von einem letzten (gefährdeten) Paradies der Erde mit seiner (noch) unermesslichen Vielfalt an Insekten.