Die Turteltaube – Vogel des Jahres 2020

Der NABU Karben hatte kürzlich eingeladen zu einem öffentlichen Vortrag über den Vogel des Jahres 2020: Die Turteltaube. Professor Dr. Roland Prinzinger war der Referent vom NABU. Viele Besucher kamen in das Karbener Bürgerzentrum, um mehr zu erfahren über die Turteltaube.

Prof. Prinzinger im Gespräch mit einem interessierten Zuhörer.  (Foto: Jürgen Becker)
Prof. Prinzinger diskutiert mit einem interessierten Zuhörer. (Foto: Jürgen Becker)

Die Wahl eines „Vogel des Jahres“ ist eine Tradition seit 1971. Für das Jahr 2020 erhielt die Turteltaube diesen Titel. Es ist unsere kleinste einheimische Taube und wohl nur wenigen bekannt. Prof. Prinzinger stellte deshalb vergangenen Dienstag nicht nur diese Taube vor, sondern auch ihre Verwandtschaft, die weltweit über 300 verschiedene Arten umfasst. Sie gibt es von Lerchen- bis Hühner-Größe und mit Ausnahme der Arktis und Antarktis kommt die Familie weltweit bis auf 6000 m Höhe vor. Tauben sind durch vielfältige, besondere Eigenschaften gekennzeichnet: Das Gelege umfasst fast immer nur 2 Eier. Ihre Jungen füttern sie in den ersten Lebenstagen mit einer speziellen Kropfmilch, die schon in der Antike bekannt war und auch Zeuss als Nahrung in seiner Jugend gedient haben soll. Tauben besitzen keine Bürzeldrüse, sondern spezielle Puderdunen, mit denen sie ihr Gefieder säubern und wasserabweisend machen. Fliegt eine Taube gegen ein Fenster, bleibt deshalb ein sogenanntes Engelsbild als Puderabdruck hängen.
Tauben sind in der Symbolik ein wichtiges Lebewesen. Sie stehen für Frieden, Schönheit, Anmut, Geist und Liebe. Von der Turteltaube kommt der Begriff „turteln“ als Zeichen der Liebe. Picasso, Chagall, Max Ernst, Braque und viele andere haben eine große Zahl von Bildern mit der Taube als Friedenssymbol gezeichnet, die es bis zum Logo bei Friedenskonferenzen gebracht haben.

Diente der Versorgung der antiken Menschen mit Fleisch und Eiern: Ein Columbarium für Taubenhaltung. (Foto: Roland Prinzinger)
Ein Columbarium für Taubenhaltung zur Versorgung der antiken Menschen mit Fleisch und Eiern. (Foto: Roland Prinzinger)

Auch im Hobby-Bereich des Menschen hat die Taube einen herausragenden Platz erhalten. Jeder kennt die Brieftaube, die Noah den Ölzweig auf die Arche zurück gebracht hat als Zeichen, dass die Flut zurückgegangen ist. Es gibt immer noch rund 15 000 Brieftaubenzüchter, die diese Fähigkeit schätzen. Und wohl genauso viele Taubenzüchter haben eine unglaubliche Vielfalt verschiedener Rassen gezüchtet. In sogenannten Columbarien wurden die Tauben schon im Altertum auch als Nahrungsmittel (Ei, Fleisch) gezüchtet. Ihnen musste nur der sichere Brutplatz geboten werden. Ernährt haben sie sich selbstständig. Auf der anderen Seite ist die Stadttaube das Sinnbild der gefiederten Ratte, da sie als ehemalige Felsentaube im Großstadtrevier überall heimisch und zur Plage werden kann, wegen der Verkotung vieler Gebäude und der Gefahr, Krankheiten zu verbreiten.
Das ist bei der Turteltaube nicht der Fall. Sie bewohnt lichte Parkanlagen und biotopreiche Feldfluren. Als Zugvogel ist sie nur zwischen Mai und August bei uns, eine sehr kurze Zeitspanne, und überwintert südlich der Sahara. Ihr Bestand ist in den letzten 4 Jahrzehnten dramatisch um rund 90 % gesunken, was vor allem auf den Verlust von Lebensraum und Bejagung auf den Zugstrecken zurückzuführen ist: Ca. 2 Millionen Turteltauben finden alljährlich immer noch den Tod durch die Jagd im Süden Europas. Grund genug also, sich um diese bedrohte Vogelart zu kümmern. Zu diesem Zweck haben die Umweltverbände auch eine EU-Initiative zum Verbot dieser unnötigen Jagd auf dem Weg gebracht. In der anschließen Diskussion ging es u.a. um die Lebenstüchtigkeit der gezüchteten Varianten. Prof. Prinzinger zeigte einen kurzen Film über die "Purzler", die wie übermütig in der Luft Purzelbäume schlagen. Ein Besucher meinte sachverständig: "ein gefundenes Fressen für den Habicht!"